Verpackungstechnik 4.0 Bei Multivac geht es (nicht nur) um die Wurst

Redakteur: Julia Moßner

Verpackungen schützen Güter und bewahren ihre Qualität. In dieser Mission ist seit über 50 Jahren der Verpackungsmaschinenhersteller Multivac unterwegs. Nun katapultiert er die Verpackungstechnik ins Industrie-4.0-Zeitalter.

Durch eine vollständige Digitalisierung, eine umfassende Sensorik und das Zusammenspiel mit der Multivac-Cloud soll die X-line eine maximale Packungssicherheitund eine höhere Prozessgeschwindigkeit bieten.
Durch eine vollständige Digitalisierung, eine umfassende Sensorik und das Zusammenspiel mit der Multivac-Cloud soll die X-line eine maximale Packungssicherheitund eine höhere Prozessgeschwindigkeit bieten.
(Bild: Multivac / CC0 )

Ob es um das Verpacken von Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Käse, Milch oder Obst geht, von Life-Science und Healthcare-Produkten oder Industriegütern – fast immer fällt der Name Multivac. Das Familienunternehmen wurde vor mehr als 50 Jahren als „Garagenbetrieb“ gegründet, denn in einer Garage entwickelte Sepp Haggenmüller seine erste Kammermaschine. Heute umfasst das Angebotsportfolio der Allgäuer Unternehmensgruppe neben diesen Kammermaschinen auch Tiefziehverpackungsmaschinen, Traysealer sowie Kennzeichnungs- und Qualitätsinspektionssysteme. Ebenso realisiert man komplette Verpackungslinien - stets zugeschnitten auf die vom Kunden gestellten Anforderungen in Sachen Leistung und Automatisierung.

Bestehende Abläufe sind bereits digitalisiert

Multivac beschäftigt rund um den Globus etwa 4700 Mitarbeiter – und diese Mitarbeiter schließen nun in wachsendem Maß Bekanntschaft mit dem Thema Industrie 4.0. Was die Digitalisierung bestehender bestehenden Prozessen anbelange um diese noch effizienter zu gestalten, so habe man dieses in vielen Bereichen des Unternehmens bereits umgesetzt“, verriet Guido Spix, geschäftsführender Direktor und CTO des Verpackungsmaschinenbauers, Benedikt Hofmann, Redakteur unseres Schwesterportals „MM-Logistik“, in einem Interview im Vorfeld der Interpack 2017.

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Spix verwies in diesem Zusammenhang auf das Logistikzentrum in Wolfertschwenden, das 2016 erfolgreich in Betrieb ging und das die Teileversorgung in Europa sowohl für die Kunden als auch für die Tochtergesellschaften des Unternehmens sicherstellt. „Neueste Lagertechnik, eine leistungsfähige IT und moderne Logistikstrukturen greifen hier optimal ineinander und sorgen für reibungslose Abläufe, ein Höchstmaß an Effizienz und Transparenz sowie maximale Leistung“, so der Multivac-Cheftechnologe. Als weiteres „Stichwort“ nannte er die digitale Fertigung, also die integrierte Abbildung und Steuerung unserer Fertigungsprozesse. Damit wolle man schnell auf den Bedarf im Markt reagieren können.

Mit „Smart Services“ zu optimalen Verpackungsprozessen

Doch auch auf der Produkt- und Dienstleistungsseite treibt Multivac die Digitalisierung konsequent voran. Unter dem Begriff „Smart Services“ fasst der Verpackungsmaschinenhersteller Servicepakete zusammen, die dazu beitragen sollen, die Verpackungsprozesse beim Kunden noch effizienter zu gestalten. Beispiele für solche Smart Services seien, so Spix, Dienstleistungen wie Predictive Maintenance oder die Erstellung umfassender OEE-Analysen, die es dem Betreiber erlauben, eine Zustandsanalyse der Verpackungsmaschinen zu erstellen und die Verpackungsprozesse weiter zu optimieren.

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Maschinen bestellen ihre Verschleißteile selbst

Das ist aber erst der Anfang. „Zukünftig wird es denkbar sein, dass die Verpackungsmaschinen an unser Kundenportal und unsere Shopsysteme angebunden werden und somit automatische Ersatzteilbestellungen für Verschleißteile auslösen. Dadurch kann die Instandhaltungsarbeit bei unseren Kunden erheblich erleichtert werden“, erklärte Guido Spix im Interview mit MM Logistik.

Aktuell arbeitet Multivac an neuen Maschinenkonzepten, die durch den Einsatz einer umfassenden Sensorik in erheblichem Maße zu einer konstanten Verpackungsqualität und einer maximalen Packungssicherheit beim Kunden beitragen sollen. Ein Ansatz dabei ist laut Spix, die Maschinen so mit Daten auszustatten, dass sie sich ohne Expertenwissen optimal parametrisieren lassen. Diese Konzeption werde die Verpackungsmaschine endgültig ins digitale Zeitalter bringen, sind die Allgäuer überzeugt.

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Mit Daten aus der Cloud gut „eingestellt“ starten

Konkret funktioniert das wie folgt: Für das Anlegen neuer Rezepte können die Betreiber von Multivac-Anlagen aus einer Datenbank Packungs-, Packstoff- und Produktmerkmale auswählen. In Kombination mit den Daten der eingesetzten Werkzeuge werden sich die Maschinen von selbst nahe am optimalen Betriebspunkt parametrisieren. Damit sind die Maschinen beim Produktionsstart bereits gut eingestellt und können ohne nennenswerte Anfahrverluste Packungen mit maximaler Packungssicherheit, gleichbleibender Qualität und höchster Leistung erzeugen. Ein weiterer Vorteil: Die Maschinen lassen sich auch ohne Anwenderwissen nahe am Optimum betreiben.

Die Daten selbst, mit denen die Maschine „gefüttert“ werden, kommen aus der Multivac-Cloud. Auf diese können die Maschinen direkt zugreifen, wobei das Expertenwissen durch die praktische Umsetzung von mehr als 1000 neuen automatischen Verpackungslösungen durch Multivac pro Jahr kontinuierlich erweitert wird. Spix: „Von diesem umfassenden Know-How werden unsere Kunden durch die Anbindung an die Cloud in hohem Maße profitieren können.“

Maschine speist Prozessdaten zurück in die Cloud

Damit dieses neue Produktionskonzept genutzt werden kann müssen die Maschinen mit entsprechender Sensorik ausgestattet sein. Deshalb arbeitet man bei Multivac aktuell an Maschinenkonzepten, die über eine große Anzahl von Sensoren zur Überwachung und Regelung der Prozesse verfügen. Die Steuerung erfasst alle relevanten Prozessparameter. Die einzelnen Teilprozesse wie Formen, Evakuieren und Siegeln werden in geschlossenen Regelkreisen optimiert. So laufen die Maschinen permanent in der Nähe des optimalen Betriebspunkts. Abweichungen von den vorhergesagten Abläufen werden sofort erkannt und Qualitätsprobleme bei den Packungen vermieden.

„Zusätzlich bilden diese Prozesswerte eine wertvolle Grundlage für die Bereitstellung unserer Smart Services, zum Beispiel einer präventiven Instandhaltung“, so Spix. „Hieraus ergibt sich die zweite Voraussetzung, nämlich die Anbindung der Maschinen an die Multivac-Cloud, in die die Verpackungsmaschine die entsprechenden Prozessdaten übertragen kann.“

Möglichen Befürchtungen, die Maschinen könnten auch „vertrauliche“ Informationen in die Cloud senden, tritt der Multivac-CTO im Interview entschieden entgegen: „Wir werden bei unserem Konzept sehr genau zwischen Prozessdaten und Produktionsdaten differenzieren. Die Anbindung unserer Verpackungsmaschinen an die Multivac-Cloud wird ausschließlich der Übertragung von prozessrelevanten Informationen dienen.“

X-line: voll digitalisiert mit Cloud-Anbindung

Ihren Niederschlag fand die neue Konzeption einer Verpackungsmaschine 4.0 in der X-line - einer neuen Generation von Tiefziehverpackungsmaschinen, die Multivac auf der Interpack 2017 der Fachwelt vorstellte. Durch eine vollständige Digitalisierung, eine umfassende Sensorik und das Zusammenspiel mit der Multivac-Cloud biete die X-line eine maximale Packungssicherheit, eine gleichbleibende Packungsqualität, eine höhere Prozessgeschwindigkeit sowie eine noch einfachere und sicherere Bedienung.

Event zum Thema Am 06. Juli findet in Kön der Reality Check 4.0 statt. Dr. Marius Grathwohl wird über die Erfahrungen bei der Umsetzung der digitalen Agenda bei Multivac sprechen. Sichern Sie sich noch heute Ihr Ticket

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