Suchen

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

sponsored by

3D-Visualisierung Avatare treffen sich im virtuellen Meeting-Raum

| Redakteur: Jürgen Schreier

Visualisierungsexperten haben eine Softwareplattform entwickelt, die eine standortübergreifende Zusammenarbeit im dreidimensionalen Raum ermöglicht. Repräsentiert durch Avatare interagieren die Mitarbeiter miteinander und analysieren gemeinsam 3D-Visualisierungen - sogar im Homeoffice.

Firmen zum Thema

Kooperative VR-Visualisierung eines Mehrgenerationenhauses
Kooperative VR-Visualisierung eines Mehrgenerationenhauses
(Bild: Fabian Dembski)

Simulationsergebnisse aus Supercomputern oder Konstruktionsdaten aus CAD-Systemen werden normalerweise in einer Cave visualisiert und analysiert. Das in der Corona-Pandemie erforderlich gewordene „Social Distancing“ ist dort jedoch nicht möglich. Visualisierungsexperten aus sechs Baden-Württembergischen Hochschulen und Universitäten haben im Projekt „Virtuelle Kollaborationslabore Baden-Württemberg“ (KoLab-BW) eine neue Softwareplattform entwickelt, die die Kooperation räumlich getrennt arbeitender Personen in Virtuellen Umgebungen (Virtual bzw. Augmented Reality, VR/AR) ermöglicht.

Interaktive Zusammenarbeit auch im Homeoffice

Teammitglieder aus Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Anwendung können sich mit Hilfe der im Projekt KoLab-BW entwickelten VR-Software sowie kostengünstiger, kommerziell verfügbarer VR-Brillen und Controllern in einem virtuellen Meeting-Raum treffen, dessen Hardware an beliebiger Stelle stehen kann. Repräsentiert durch Avatare interagieren sie in diesem virtuellen Raum miteinander und analysieren gemeinsam 3D-Visualisierungen - direkt von ihrem Arbeitsplatz aus oder sogar im Homeoffice.

Insbesondere in Szenarien, die ein spontanes persönliches Zusammenkommen erschweren – verteilte Standorte der Mitarbeitenden oder eben das aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie erforderlich gewordene „Social Distancing“ – unterstützt diese Technologie die Zusammenarbeit und erleichtert maßgeblich aktuell erschwerte Arbeitsprozesse.

Eine Softwarelösung nicht nur für Corona-Zeiten

Nicht nur in Corona-Zeiten wird dies unter anderem dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu beschleunigen oder die Einführungszeit neuer Produkte am Markt deutlich zu verkürzen. Zudem wird erwartet, dass die neue Software im Bereich von Schulung und Training von großem Nutzen sein wird. So könnte sie die Ausbildung von Studierenden maßgeblich unterstützen oder auch für moderne Methoden des Distance Learnings genutzt werden.

Am KoLab-BW-Projekt beteiligt sind das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS), das Visualisierungsinstitut der Universität Stuttgart (VISUS), die Universität Ulm, das Kompetenzzentrum Virtuelle Realität der Hochschule Mannheim (KVE), die Hochschule Albstadt-Sigmaringen sowie die Hochschule Ravensburg-Weingarten. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Führungskräfte auf Distanz: Verantwortungsbewusstsein sinkt

Nicht erst durch die zunehmende Nutzung von Homeoffices durch die Corona-Pandemie, sondern auch als Konsequenz der Globalisierung findet Zusammenarbeit zunehmend virtuell statt. Wie sich diese Kooperationsform auf das Verantwortungsbewusstsein von Führungskräften gegenüber ihren Teams auswirkt, das haben Forscherinnen und Forscher rund um PD Dr. Annika Scholl vom Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen untersucht.

Dabei zeigte sich: Personen in einer Führungsrolle empfinden vor einem persönlichen Mitarbeitergespräch ein stärkeres Verantwortungsgefühl als vor einem virtuellen Austausch, etwa per Videocall. Dieses Ergebnis konnte eine weitere Studie mit Studierenden bestätigen. „Virtuelle Zusammenarbeit könnte bewirken, dass andere Personen weiter entfernt erscheinen – und deshalb kurzfristig weniger der Eindruck entsteht, sich um diese Personen kümmern zu müssen“, erläutert Dr. Annika Scholl. „Das muss nicht nur die räumliche Entfernung betreffen, es könnte dabei auch um die subjektive Wahrnehmung von Nähe gehen. Offen bleibt für uns die Frage, wie sich diese Effekte entwickeln, wenn Personen mehr Erfahrung mit virtueller Zusammenarbeit gesammelt haben.“

In weiteren Studien konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerdem zeigen, dass Führungskräfte dann mehr Verantwortung erleben, wenn sie vor wichtigen Entscheidungen ihre Aufmerksamkeit auf andere Personen statt auf sich selbst richten. Ein weiterer Faktor für das Verantwortungsgefühl in der Führung ist das Maß der jeweiligen Identifikation mit dem Team.

Studie zum Download

(ID:46699110)