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YouGov/Center of Automotive Management Autonomes Fahren steht hoch im Kurs

| Redakteur: Jürgen Schreier

Die Automobilindustrie befindet sich vor einem Umbruch, denn das Interesse der Deutschen am autonomen Fahren wächst. Nach einer Studie von YouGov und dem Center of Automotive Management favorisiert fast jeder zweite mobile Dienstleistungsangebote. Das eigene selbstfahrende Kfz wird als weniger attraktiv empfunden.

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Continental testet ein Versuchsfahrzeug für die fahrerlose Mobilität in Städten. Das „Cube“ genannte Roboter-Taxi fährt auf dem Frankfurter Werksgelände des Unternehmens.
Continental testet ein Versuchsfahrzeug für die fahrerlose Mobilität in Städten. Das „Cube“ genannte Roboter-Taxi fährt auf dem Frankfurter Werksgelände des Unternehmens.
(Bild: Continental)

„Von hinten erinnert die Studie ein wenig an ein Segelboot“ – von wegen! Das ist eine ganze Yacht! Dieses Auto hat genauso viel Sinn wie die Keops Pyramide, die beiden kann man nur bewundern. Also, bravo!", kommentierte der studierte Automobilingenieur Vladimir Matijasevic einen Artikel unseres Partnerportals AUTOMOBILINDUSTRIE über den neuen Maybach Vision 6.

Elektrisches Luxuscabrio fährt (auch) mit Auto-Pilot

Das Besondere an diesem sechs Meter langen Cabriotraum, der am Rande der legendären Autoshow Concours d' Elegance im kalifornischen Pebble Beach "enthüllt" wurde: Das Luxusschiff mit betont flacher Silhouette, endlos langer Motorhaube und einer Interieurorgie aus Lack und Leder fährt rein elektrisch.

Vier E-Antriebe mit zusammen 760 PS Leistung katapultieren den Allradler in weniger als vier Sekunden von 0 auf 100 km/h. Sogar über einen Auto-Piloten verfügt das von Mercedes-Designchef Gorden Wagener entworfene Nobelgefährt. Doch diesen wird selbst ein umweltbewusster Superreicher wohl nie nutzen können, denn der Maybach Vision 6 soll lediglich eine Studie bleiben.

Obendrein wären die Marktchancen für ein solches Fahrzeug ziemlich unklar, denn autonomes Fahren ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit autonomem Fahren im eigenen Kfz. Grundsätzlich ist das Interesse der Deutschen an selbstfahrenden Fahrzeugen groß, wie das internationale Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGov gemeinsam mit dem Center of Automotive Management (CAM), Bergisch-Gladbach, im Rahmen einer Umfrage herausgefunden hat.

Mehr Komfort, weniger Staus und ein geringerer Energieverbrauch sind aus Verbrauchersicht nur einige der Pluspunkte bei hochautomatisierten Fahrzeugen. Schon heute kann sich fast jeder Zweite (47 Prozent) vorstellen, künftig ein selbstfahrendes Dienstleistungskonzept in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören beispielsweise Robotertaxis oder selbstfahrende Busse - nach Einschätzung der Marktforscher ein hoher Wert für eine Art der Dienstleistung, die es Markt noch gar nicht gibt. Im Gegenzug dürfte der Bedarf an eigenen Fahrzeugen künftig zurückgehen.

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Besitz eines eigenen Kfz wird als weniger notwendig empfunden

Dem Report zufolge sind bereits schon heute 23 Prozent der Deutschen der Ansicht, dass künftig der Besitz eines eigenen Kfz nicht mehr notwendig sein wird. Auch unter Autobesitzern sind die Befragungswerte ähnlich hoch (22 Prozent). „Die Technologie der selbstfahrenden Fahrzeuge in Verbindung mit neuen Mobilitätsdienstleistungen wird die Anzahl der benötigten Fahrzeuge für den Individualverkehr stark reduzieren“, erklärt Prof. Dr. Stefan Bratzel, Director des Center of Automotive Management.

Positionieren sich Automobilhersteller hier mit eigenen selbstfahrenden Dienstleistungskonzepten, so könnten sie diesem Absatzrückgang entgegenwirken, ist Bratzel überzeugt. Diese Entwicklung sollten Automobilhersteller als Chance sehen, zukünftig nicht ausschließlich Fahrzeuge zu verkaufen, sondern das Gesamtpaket Mobilität als Dienstleistung.

Gefürchtet: Technikpannen, Hackerangriffe, rechtliche Unklarheiten beim Crash

„Autonome Fahrzeuge genießen in Kombination mit etablierten Dienstleistungskonzepten wie Bus und Taxi bereits eine vergleichsweise hohe Akzeptanz“, weiß Markus Braun, Head of Business Unit Reports bei YouGov. So könne sich jeder Vierte vorstellen, selbstfahrende Busse zu nutzen, aber nur jeder Zehnte ein selbstfahrendes Auto mit unbekannten Menschen (z.B. als Mitfahrgelegenheit).

Im eigenen Fahrzeug, das Steuer aus der Hand zu geben, hielte jeder Dritte (34 Prozent) für denkbar – aber nur mit der Option, als Fahrer auch weiterhin ins Geschehen eingreifen zu können. Die potenziellen Nutzer fahrerloser Fahrzeuge sind häufig männlich (57 Prozent), unter 35 Jahre alt (31 Prozent), leben in einer Beziehung (70 Prozent), treiben viel Sport (67 Prozent) – und sie sind keineswegs frei von Ängsten.

55 Prozent der Befragten fürchten Systemausfälle und Technikpannen, gefolgt von rechtlichen Unklarheiten bei Unfällen (51 Prozent) oder Hackangriffen (48 Prozent). Diese Hürden müsse die Automobilbranche durch entsprechende Kommunikationsmaßnahmen noch aus dem Weg räumen, um dem autonome Fahren zu noch größerer Popularität zu verhelfen.

Mercedes-Benz wird die größte Entwicklungskompetenz zugemessen

Das Zutrauen in die Entwicklungskompetenz einzelner Hersteller beim Thema autonome Autos fällt bei Verbrauchern unterschiedlich aus. Der YouGov-Report zeigt, dass die Deutschen am meisten überzeugt von der Daimler-Marke Mercedes-Benz (46 Prozent), BMW (41 Prozent) und Audi (34 Prozent) sind. „Überzeugen Sie Verbraucher davon, dass Ihr Unternehmen für sichere, autonome Fahrzeuge steht und sprechen Sie diese Nutzer frühzeitig und zielgerichtet an“, rät YouGov-Experte Braun den Unternehmen.

Wichtig sei es zudem, dass die Branche, die für viele Verbraucher noch zu vagen Zukunftsvisionen ihrer Mobilitätskonzepte greifbar mache. „Auf diese Weise können eigene selbstfahrende Dienstleistungskonzepte ein wichtiger Differenzierungsfaktor sein“, sagt Bratzel vom Center of Automotive Management.

Für die Studie wurde auf die 100.000 Datenpunkte umfassende YouGov-Datenbank zugegriffen, für die im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierlich repräsentativ befragt werden. Die intelligente Vernetzung der Daten ermöglicht eine besonders detaillierte Analyse des Konsumentenverhaltens. Kombiniert wurde die Analyse mit einer zusätzlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2000 (18+) Personen, die vom 6. bis 12. Juni 2017 durchgeführt wurde.

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