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Expertenbeitrag

Oliver Kowalski

Oliver Kowalski

Director, Hays AG

Kommentar

Ausblick auf Chancen und Risiken im Internet der Dinge

| Autor/ Redakteur: Oliver Kowalski / Sebastian Human

„Wir müssen die Digitalisierung voranbringen“ – solchen und ähnlich formulierten Parolen mutet etwas Selbstzweckhaftes an. Was genau und zu welchem Nutzen müssen oder wollen wir aber überhaupt digitalisieren?

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Mit unüberlegten Schnellstarts ist auch bei der Digitalisierung niemandem geholfen.
Mit unüberlegten Schnellstarts ist auch bei der Digitalisierung niemandem geholfen.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Eines vorweg: was den möglichen Stellenabbau durch digitale Technologien betrifft, gibt der HR-Report 2019 zumindest ein Stück weit Entwarnung. Vielleicht kann sogar der viel zitierte Fachkräftemangel relativiert werden. Vermutlich herrscht sogar ein Überfluss an IT-Spezialisten. Nur arbeiten sie womöglich gerade nicht an den „richtigen Internetdingen“…

Den digitalen Wandel kritisch unter die Lupe genommen

Als ein bekanntes Negativbeispiel für die Verheißungen des Internet of Things ist in Fachkreisen der online vernetzte Kühlschrank berühmt und berüchtigt. Dieser soll laufend eigenmächtig nachbestellen, was die viel beschäftigte Familie gerade leer getrunken oder verzehrt hat.

In vielen Anwendungen treffen wir auf ähnlich zweifelhaften Nutzen – wie etwa smarte Kleidung. Dabei bedeutet es doch keinen großen Schritt für die Menschheit, wenn wir Textilien am Leib tragen, die uns regelmäßig über unseren Puls oder unsere Schweißbildung informieren.

An solchen Gadgets zerschleißen sich offensichtlich viele begabte Ingenieure und IT-Experten – und entfallen vorerst als verfügbare Fachkräfte für unsere volkswirtschaftlich bedeutsamen Schlüsselindustrien.

Weiterhin Hochkonjunktur in der produzierenden Industrie

Niemand beschwert sich bei Dieselfahrverboten oder Stilllegungen von Kernkraftwerken darüber, dass kostbare Arbeitsplätze vernichtet werden. Das gilt auch für die fortschreitende Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Der zunehmende Onlinehandel vernichtet in der Summe keine Arbeitsplätze, sondern verwandelt Ladenlokale in Versandhäuser.

Gerade im Bereich Sales & Marketing geht es darum, sich auf die wachsenden Online-Trends einzustellen. Bisherige Fähigkeiten - ob Hard Skills oder Soft Skills - reichen vielleicht nicht mehr aus, die digitale Migration eines Unternehmens wirkungsvoll zu begleiten oder sogar aktiv voranzutreiben.

Aber – und das ist die gute Nachricht: Ein IT-Profi kommt nicht ohne die Expertise aus, die sich auf die Produktion von echten Dingen bezieht. Es entschwindet gerne aus dem Blickfeld, dass die überwältigenden Mehrheiten der KI-Projekte, Online-Vorhaben und Big-Data-Anwendungen davon leben, dass am Ende einer digitalen Kette real produzierte Produkte und Dienstleistungen umgesetzt werden.

Der HR-Report 2019 bestätigt die anhaltende Nachfrage nach „handfesten“ Produkten. Denn im Bereich Produktion rechnen die befragten Führungskräfte mit Zuwachs an Personal – auch in bestehenden Berufsbildern.

Wer muss sich in welche Richtung digital weiterbilden?

Die digitale Welt ist schon seit ihren Anfängen in den 1980er Jahren aufgeteilt in Hard- und Softwareentwickler. Die Kernaufgabe von Softwareentwicklern besteht darin, Anwendern den Umgang mit digitalen Prozessen zu erleichtern. Diese Arbeitsteilung bleibt weiterhin bestehen.

Gefährdet sind eher Geschäftsmodelle und Belegschaften, die sich neuen Märkten oder Anwendungen verschließen – oder sich zu früh und ohne genaue Chancen-Risiko-Abwägung in digitale Abenteuer stürzen.

Denn durch die Verfügbarkeit von mehr Risikokapital gerät manchmal aus dem Blick, dass mit Innovationen auch Gewinne erzielt werden müssen. Für eine Hightech-Brille, mit der sich Mitbürger und Passanten via biometrischer Gesichtserkennung gegenseitig ausspionieren lassen, scheinen die meisten, demokratie-geschulten Binnenmärkte jedenfalls noch nicht reif zu sein.

Welche Kompetenzen sind zukünftig gefragt?

Nicht jedes Berufsbild lässt sich vollständig vor dem Fortschritt schützen. Dass unsere Umwelttechnologien noch nicht den ganz großen erwarteten Exportschlager darstellen, liegt sicherlich nicht am IT- oder Ingenieurs-Fachkräftemangel.

Im Bereich Marketing und Vertrieb – mit der weiterentwickelten Kompetenz, unsere zukünftigen Export-Technologien durch entsprechende Medienpräsenz zu begleiten – wäre so manche Position noch zu besetzen.

Ein Up-Skilling müsste also vornehmlich bei den Jobprofilen entstehen: Arbeitgeber sollten verstärkt auf „mehr Gefühl“ und damit auf ein besseres Einschätzungsvermögen bei Managern setzen, digitale Marktchancen einschätzen zu können – statt voreilig eine digitale Transformation „übers Knie zu brechen.“

Viele Behörden wären nun eigentlich an der Reihe, so manche Warteschlangen zum Wohlgefallen der Bürger abzuschaffen. In das, was uns der digitale Wandel an effektivem Nutzen bescheren soll, kann jeder lernwillige, vermeintlich noch unterqualifizierte Mitarbeiter mühelos hineinwachsen – auch behördlicherseits!

Fazit: Wieder einmal wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird

„Appsolut“ genial? Das ist die Frage. Statt die Pizza knusprig am Entstehungsort zu genießen, ist für die meisten die Styroporkiste auf dem Gepäckträger eines Mopeds neuerdings das Sinnbild des digitalen Fortschritts.

Was ist da schiefgelaufen? Schätzungsweise stehen derzeit mehr digitale Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand als vermeintlich fachlich überfordertes Personal.

Gefragt bleiben weiterhin Fachkräfte, die einen digitalen Prozess sinnvoll begleiten – oder ihm auch rechtzeitig Einhalt gebieten, wenn er auszuufern droht. Der eingangs erwähnte Online-Kühlschrank ist sozusagen als IoT-Antiquität hier und da immer noch auf so mancher Fachmesse zu bestaunen – als Mahnmal eines voreiligen „Internetdings“.

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