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Recruiting bei Harting Ausbildung 4.0: Die Zukunft der Industrie spielerisch vermitteln

Autor / Redakteur: Michael Klose / Andrea Gillhuber

Die Digitalisierung verändert die Welt. Nicht nur die Produktion, auch das Personalmanagement muss sich den dynamischen Entwicklungen anpassen, angefangen beim Personal-Recruiting.

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Nico Gottlieb (Ausbildungsleiter), Artur Maurer (Ausbilder), Adina Brandt (duale Studentin Maschinenbau), Rino Richter (Auszubildender zum Mechatroniker), Pascal Haßebrock (dualer Student Mechatronik) und Jacob Knierim (Ausbilder; von links nach rechts) an der „Ausbildungseinheit Industrie 4.0“: Blechdosen können per Smartphone individuell mit Schokoladentäfelchen bestückt werden.
Nico Gottlieb (Ausbildungsleiter), Artur Maurer (Ausbilder), Adina Brandt (duale Studentin Maschinenbau), Rino Richter (Auszubildender zum Mechatroniker), Pascal Haßebrock (dualer Student Mechatronik) und Jacob Knierim (Ausbilder; von links nach rechts) an der „Ausbildungseinheit Industrie 4.0“: Blechdosen können per Smartphone individuell mit Schokoladentäfelchen bestückt werden.
(Bild: Harting)

Industrie 4.0, Integrated Industry, Internet of Things and Services – die Digitalisierung stellt neue Herausforderungen an das Personal-Recruiting der Unternehmen, an Aus- und Weiterbildung sowie an Schulung und Qualifikation der Mitarbeiter. Die Harting-Technologiegruppe hat ihre Ausbildungsangebote, -inhalte und -projekte und das Personalmarketing auf diese dynamischen Entwicklungen ausgerichtet.

Die Harting-Technologiegruppe hat ihre Ausbildungsangebote, -inhalte und -projekte sowie das Personalmarketing auf diese dynamischen Entwicklungen und Veränderungen ausgerichtet.

Industrie 4.0 - spielerisch vermittelt

Im Neuen Ausbildungszentrum Harting, kurz: NAZHA, in dem die Azubis aller Fachrichtungen ausgebildet werden, steht Jacob Knierim, Ausbilder für Mechatronik, an einer kleinen Demonstrationsanlage. Die Anlage wird intern „Ausbildungseinheit Industrie 4.0“ genannt. “Schüler können sich mit ihrem Smartphone auf der Maschine einwählen und Blechdosen individuell mit zwei Schokoladentäfelchen bestücken. Dabei haben sie die Auswahl aus fünf Sorten“, erklärt Knierim.

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Derzeit lässt sich der Deckel der Blechdose mit dem Harting-Logo prägen, in der zweiten Ausbaustufe soll später der Deckel zusätzlich durch einen Laser individuell beschriftet werden können. Doch Knierim hat mit seinen Azubis und Dualen Studenten bereits die dritte Stufe im Blick: das Mischen und Abfüllen von unterschiedlichen Flüssigkeiten nach Kundenwunsch. Darüber hinaus hat die „Ausbildungseinheit Industrie 4.0“ die Funktion, dass Auszubildende und Duale Studenten losgelöst von der „realen“ Produktion Änderungs-, Instandhaltungs- und Optimierungsaufgaben durchführen können.

Auch das „Net-Marquee“ ist bei den Azubis sehr beliebt. Das eigengenerierte englische Kunstwort setzt sich aus „Network capable marquee display“ (Netzwerkfähige Lauflicht-Anzeige) zusammen. Hierbei wird ein gewünschter Text, stehend oder als Laufschrift, auf einer LED-Anzeige dargestellt. Den Text kann jede Person anpassen, welche sich in das dafür konfigurierte WLAN mit dem Tablet oder dem eigenen SMART-Device einloggt. Über einen QR-Code lässt sich direkt eine selbstgeschriebene Online-Oberfläche aufrufen, worin zum Beispiel der Text, die Farbe des Schriftzuges oder die Durchlaufgeschwindigkeit eingestellt werden kann.

Über eine Verknüpfung des WLANs mit dem Internet könnte man somit aus der ganzen Welt diese Anzeige ansteuern. Dieses Projekt wurde von Auszubildenden der Berufsbilder „Elektroniker für Geräte und Systeme“ in Zusammenarbeit mit „Elektroniker für Automatisierungstechnik“ und „Werkzeugmechaniker“ und den Dualen Studenten Elektrotechnik entwickelt.

Ein paar Meter weiter rollt eine Modelleisenbahn der DB-Baureihe 218 (Maßstab 1:64) über Gleise, welche mit programmierten Tags unterlegt sind. Die Daten werden von einer Antenne unter der E-Lok aufgenommen und von einer auf dem Dach der Lok installierten Mica (Modular Industry Computing Architecture) ausgewertet. So lernen Azubis und duale Studenten die modulare Plattform aus offener Hard- und Software kennen, welche bei unterschiedlichen Pilotprojekten in der eigenen Fertigung eingesetzt wird.

Die von Harting entwickelte Mica (Modular Industry Computing Architecture) wurde auf der Hannover Messe 2016 mit dem Hermes Award ausgezeichnet. Der Zug auf den Schienen, der von Smart Devices individuell gesteuert werden kann und ein kleines Beispiel ist für die universellen Einsatzmöglichkeiten der Mica ist, fasziniert die Schülerinnen und Schüler ebenso wie ein Multimediabrunnen nebenan, der zu einem interaktiven Informationssystem transformiert wird. So macht das Unternehmen Digitalisierung erlebbar, die Effizienzsprünge in Herstellung und Distribution ermöglicht.

Kontinuierliche Personalplanung

Der demographische Wandel und die Rasanz der technologischen Herausforderungen machen eine kontinuierliche Personalplanung und vor allem ein ziel- und bedarfsorientiertes Azubi-Marketing erforderlich. Deshalb kommen regelmäßig Gruppen in das Ausbildungszentrum und werden mit der Technik und den Chancen der Digitalisierung bekannt gemacht und über vielseitige Ausbildungsberufe informiert.

Rund 1000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bietet Harting jährlich die Gelegenheit, unter anderem durch Einladungen auf die Hannover Messe, betriebliche Praktika, altersgerechten Wettbewerben und Maßnahmen wie KiTec, Input, Tec2You oder Bingo, das Unternehmen sowie die Vielfalt der Technik kennenzulernen. Praktische Erfahrungen sind die besonderen Highlights bei den Informationsveranstaltungen. Die Schülerinnen und Schüler können Tests und Versuche durchführen und so technische Zusammenhänge erkennen und verstehen.

Bei den Angeboten werden unterschiedliche Zielgruppen und Bildungsniveaus berücksichtigt.

Mit Input gibt Harting beispielsweise Hauptschülern aus schwierigen Milieus oder mit individuellen Lern- und Motivationsproblemen in Kooperation mit Lehrern und Eltern die Möglichkeit einer besonderen Förderung und Betreuung. Der Erfolg spricht für sich: Mehr als zwei Drittel der Input-Teilnehmer erreichen das Etappenziel, können in eine duale Ausbildung vermittelt werden und ihren beruflichen Weg bei Harting oder anderen Unternehmen der Region beginnen.

KiTec wiederum ist für die Kleinsten konzipiert. Jungen und Mädchen Espelkamper Grundschulen fertigen aus vorgegebenen Materialien kleine technische Bauwerke, bewerben sich damit um den Harting-Forscherpreis und haben auf spielerische und kindgerechte Weise erste Einblicke in die Welt der Technik. Die Bastlerinnen und Bastler von heute können so vielleicht zu den Ingenieuren und Technikern von morgen werden. Und KiTec kann zugleich dazu beitragen, mittel- und langfristig auch mehr Mädchen als bislang für gewerblich-technische Berufe und Tätigkeiten zu gewinnen. Erste Resultate sind ermutigend. 2016 waren immerhin von den insgesamt 56 Auszubildenden in technischen Berufen schon elf weiblich. So hoch war die Quote in keinem Jahr zuvor. Und sie soll weiter gesteigert werden.

Mithelfen kann auch Bingo, die Berufsoffensive für Ingenieurinnen und Ingenieure in Ostwestfalen-Lippe. Sie ist seit rund eineinhalb Jahrzehnten fester Bestandteil der Maßnahmen zur Berufsorientierung. Jugendliche Berufsanfänger werden über Arbeitsgebiete, Aufstiegswege, Beschäftigungsverhältnisse und den Zugang zu technischen Berufen informiert.

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