Suchen

Management Statement

"Aus klassischer Produkt- oder Prozessoptimierung wird Change Management"

| Redakteur: Julia Moßner

Mit der Vernetzung von Produktionsanlagen steigt die Komplexität der damit verbunden Aufgaben. Wir haben uns mit Steffen Himstedt, Geschäftsführer von Trebing + Himstedt, einem erfahrenen Experten für die Optimierung von Produktions-IT über technologische Fortschritte, das Prinzip „Add & ReUse“ und Erfolgsfaktoren erfolgreicher Unternehmen ausgetauscht.

Firmen zum Thema

Das
Das "Add & ReUse-Prinzip": ein digitaler Zwilling wird über den gesamten Lebenszyklus vom Design über die Herstellung bis zum laufenden Betrieb mit immer mehr Daten angereichert.
(Bild: Trebing + Himstedt)

Herr Himstedt, dass Industrieunternehmen auf digitale Modelle zurückgreifen ist in der Produktentwicklung oder in der Planung von Produktionsanlagen längst Standard. Inzwischen ist der digitale Zwilling aber weit mehr als das 3-D-Modell eines Produktes. Welche Entwicklungen haben hier in den letzten Jahren stattgefunden?

Steffen Himstedt, Geschäftsführer von Trebing + Himstedt unterstützt Unternehmen seit 1992 in der Optimierung von Produktions-IT.
Steffen Himstedt, Geschäftsführer von Trebing + Himstedt unterstützt Unternehmen seit 1992 in der Optimierung von Produktions-IT.
(Bild: Trebing + Himstedt)

Die Entwicklung hat vor allem in der Vernetzung stattgefunden. Denn die digitalen Modelle waren bisher oft reine Silos. Das bedeutet in der Praxis, dass die Modelle entweder aufwendig erstellt und dann nur punktuell eingesetzt wurden oder jeder Bereich hatte sein eigenes Modell und die haben nicht miteinander gesprochen. Ein einziger, vernetzter Digitaler Zwilling bietet natürlich viel mehr Möglichkeiten, bis hin zu eigenen, neuen Anwendungen.

Wie könnte die Zukunft aussehen? Welche Anwendungen sind zukünftig denkbar?

In der Zukunft wird es nur einen wahren Digitalen Zwilling geben, der fängt klein an und wächst mit der Zeit, da er über den gesamten Lebenszyklus vom Design über die Herstellung bis zum laufenden Betrieb mit immer mehr Daten angereichert wird. Wir nennen das Prinzip „Add & ReUse“, also ergänze den vorhandenen Zwilling und verwende ihn weiter. Daraus werden Anwendungen entstehen, die wir heute schon kennen, wie Predictive Maintenance, die auf dieser Basis leichter umzusetzen sind, aber auch Dienste, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können und erst durch einen vernetzten Digitalen Zwilling möglich werden.

Sie sind Experte für die Optimierung von Produktions-IT und haben seit 1992 bereits viele Projekte mit Unternehmen umgesetzt. Welchen Herausforderungen oder Hürden begegnen sie immer wieder und welche Themen haben in den letzten Jahren zugenommen?

Das
Das "Add & ReUse-Prinzip": ein digitaler Zwilling wird über den gesamten Lebenszyklus vom Design über die Herstellung bis zum laufenden Betrieb mit immer mehr Daten angereichert.
(Bild: Trebing + Himstedt)

Wie beim Digitalen Zwilling im Speziellen, ist es auch hier die Vernetzung, die zugenommen hat. Ging es damals noch um horizontale Vernetzung von Maschinen untereinander folgte schnell die vertikale Integration, also in die Geschäftsprozesse. Heute geht die Vernetzung weit über die Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinaus. War die Optimierung der Produktionsanlage in der Vergangenheit ein Thema des Fertigungsleiters, hat die Digitalisierung Einfluss auf IT, Service-Abteilung bis hin zur Einbindung des Endkunden. Das bedeutet vielfach, aus klassischer Produkt- oder Prozessoptimierung wird Change Management, hier entscheidet am Ende die Kultur eines Unternehmens, wer erfolgreich sein wird.

Welche Branchen sind Ihrer Erfahrung nach – neben der Automobilindustrie, die ja oft als Vorreiter gilt – am weitesten, was die Umsetzung von Digital Manufacturing angeht und in welchen Branchen besteht noch Nachholbedarf?

Es ist sicherlich der innovative Mittelstand in der High-Tech-Fertigung, der diese Themen sehr schnell adaptiert und den Nutzen erkannt hat. Nachholbedarf sehen wir interessanterweise dort, wo Unternehmen glauben schon sehr weit zu sein. Beispielsweise, wenn Remote Monitoring schon angeboten wird, fühlt man sich gut gerüstet für das digitale Zeitalter. Das ist vermeintlich richtig, aber eben weiter in digitalen Silos gedacht. Die werden sich über kurz oder lang als Sackgasse erweisen, wer das nicht erkennt, läuft Gefahr stecken zu bleiben.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45643824)