Hannover Messe 2016 Auf der Hannover Messe werden Kunden in diesem Jahr mit dem Lasso gefangen

Redakteur: Frank Jablonski

Kommt er oder kommt er nicht, lautete im Herbst die bange Frage, als es um das Partnerland der diesjährigen Hannover Messe ging. Neben der Antwort auf diese Frage zeigte in der vergangenen Woche die Hannover-Messe-Vorschau auf, welche technischen Highlights sich führende Unternehmen für den Frühling vorzustellen vorgenommen haben.

Per Bilderkennung den Kollegen Roboter steuern, auch das ein Thema auf der Hannover Messe 2016, vorgestellt vom Insitut Isym.
Per Bilderkennung den Kollegen Roboter steuern, auch das ein Thema auf der Hannover Messe 2016, vorgestellt vom Insitut Isym.
(Bild: Jablonski)

Obama kommt. Auf diese kurze Aussage lässt sich ein Großereignis wie die Hannover Messe 2016 zwar nicht reduzieren, in den Gesprächen drei Monate vor der Industrieschau ist diese Ankündigung der Messe-Macher dennoch das bestimmende Thema: „Wie habt ihr das geschafft?“.

Schon seit einigen Jahren zeichnet sich ab, dass das Partnerland den Charakter der jährlichen Industrieschau in Hannover immer deutlicher mitbestimmt. Das liegt in einem großen Maß an den jeweiligen Nationen, die Hannover als wichtige internationale Drehscheibe für ihre Unternehmen und ihre Technik verstehen und dementsprechend intensiv nutzen. Das sympathische Holland, die fleißig produzierenden Inder und in diesem Jahr? Endlich, so sagte es einer der Organisatoren am Rande der Preview, endlich USA.

Gutes Timing für USA als Partnerland für Hannover Messe 2016

Der Zeitpunkt für ein Partnerland USA könnte nicht besser sein: Der Handel mit Nord-Amerika boomt. Der NAFTA-Raum trug mit einem Umsatzplus von 14,6 Prozent maßgeblich dazu bei, dass z.B. die deutschen Maschinenexporte im November 2015 ihr Vorjahresergebnis um vier Prozent übertrafen. Nur einer der Gründe warum der VDMA als Verband die Speerspitze für das Freihandelsabkommen TTIP bildet, an dem derzeit gearbeitet wird.

Dr. Jochen Köckler, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG, gibt in seinem Vortrag einen Ausblick auf die zu erwartenden Trends und Themen: „Wir als Messemacher haben früh gesagt, dass die Zukunft in der Vernetzung der Industrie liegen wird.“ Auch in diesem Jahr steht diese Vernetzung wieder im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Hannoveraner nennen es „Integrated Industry“, jetzt ergänzt um den Zusatz „Discover Solutions", denn es gebe mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele rund um Industrie 4.0 zu entdecken.

John B. Emerson, US-Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, der stellvertretend für das Partnerland sprach, betonte den Zeitpunkt: „Nach einer langen Historie der Beziehungen, ist es jetzt an der Zeit, unsere Anstrengungen zu verdoppeln und zu verdreifachen, um unser Wirtschaftswachstum auch im 21. Jahrhundert sicher zu stellen.“ Das Wirtschaftsministerium arbeite daran, mehr als 250 US-Unternehmen zur Messe im April zu bringen. In diesem Jahr werden insgesamt etwa 5000 Aussteller und 200.000 Besucher erwartet.

Hannover Messe als letzte offizielle Obama-Dienstreise nach Deutschland

Botschafter Emerson führte weiter aus, wie wichtig es auf beiden Seiten des Atlantik sei die Zusammenarbeit zu sichern. TTIP sei der nächste logische Schritt zwischen Wirtschaftspartnern auf Augenhöhe.

"Wir sind froh, dass wir Partnerland sind", betonte Emerson, zumal sie am Ende der Amtszeit von Präsident Barak Obama liege, der zur Eröffnung in Hannover erwartet wird (wir berichteten). Es könne dann wohl auch die letzte Dienstreise von Obama nach Deutschland sein, so der Botschafter.

Themen der diesjährigen Hannover Messe 2016

Rücken Sie Industrie wieder mehr ins Zentrum der Hannover Messe! Diesen Ausspruch zitiert Köckler als Auftrag wichtiger Aussteller zu Beginn seiner Amtszeit bei der Deutschen Messe AG. Einen Anspruch den Köckler mehr denn je erfüllt sieht: Besucher aus dem produzierenden Gewerbe würden erfahren, wie sie ihre Produktionsanlagen Schritt für Schritt zur Industrie-4.0-Fabrik ausbauen. Besucher aus der Energiewirtschaft könnten technische Lösungen für intelligente Energiesysteme entdecken.

Zum Hintergrund führt er aus, dass ein Energiesystem der Zukunft immer kleinteiligere Lösungen brauche, die über ein intelligentes System interagieren. „Unter dem Schlagwort ‚Integrated Energy‘ stehen auf der Hannover Messe Lösungen für die Vernetzung der gesamten Energiekette im Mittelpunkt – von der Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Speicherung bis hin zu alternativen Mobilitätslösungen“, sagt Köckler. „Auf einer Demonstrationsfläche zeigen wir erstmals ein interaktives Modell des Energiesystems der Zukunft. Der Besucher erlebt die Technologien im Zusammenspiel und sieht, wie eine sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung künftig aussehen kann.“

In den vergangenen Jahren habe die Hannover Messe einen großen Anteil daran gehabt, den Weg in das Industrie-4.0-Zeitalter zu bahnen. Selten hat eine technische Entwicklung so schnell und wirkungsvoll um sich gegriffen. Dabei wird es nicht nur um die Technologien gehen, sondern auch um die daraus resultierenden neuen Geschäftsmodelle.

Ein Beispiel: Mit der ‚vorausschauenden Wartung‘ (Predictive Maintenance) setzen Maschinen- und Anlagenbauer auf Sensoren, mit deren Hilfe Maschinen selbstständig melden, dass sie in Kürze gewartet werden müssen. Anhand dieser Daten kann der Anlagenhersteller dem Betreiber frühzeitig Wartungsleistungen anbieten und so sein Servicegeschäft ausbauen. Köckler: „Auf der neuen Sonderfläche ‚Predictive Maintenance 4.0‘ zeigen wir Anwendungsbeispiele von Industrie 4.0 und neue Geschäftsfelder, die jetzt entstehen.“

Hannover Messe 2016 mit Cowboys und Indianern?

Auch das IIC aus dem Partnerland USA wird Beispiele der Digitalisierung zeigen, sodass es nicht mehr die Frage sei, ob Industrie 4.0 komme, sondern lediglich, wie es konkret aussieht. Dafür so Köckler sei die Messe mit Ausstellern, Partnern und Verbänden bestens gerüstet.

Einerseits sind Amerikaner Profis was Marketing angeht und wissen sich bietende Gelegenheiten zu nutzen, andererseits sind US-Firmen traditionell zufrieden mit der Bearbeitung ihres riesigen Heimatmarktes. Bleibt also abzuwarten, wie sich Amerika präsentieren wird. Diese Überraschung sparen sich die Verantwortlichen für einen späteren Zeitpunkt auf. Vielleicht, so könnte man spekulieren, treten die US-Boys als Cowboys und Indianer auf und werden die Kunden bevorzugt mit dem Lasso auf den Messestand bringen.

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