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Smarte Fertigung Arbeitswelt 4.0: „Immer wieder von vorn lernen“

| Autor / Redakteur: Tina Rumpelt / Thomas Günnel

Neue Ideen statt Hierarchien: Jens Knut Fabrowsky, Bosch-Bereichsvorstand, stellte auf dem Smart Factory Day seine Visionen für die Arbeitswelt 4.0 vor. Ein zentraler Punkt: „Die Menschen achten und ihnen zuhören.“

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Jens Knut Fabrowsky, Bosch-Bereichsvorstand, stellte auf dem Smart Factory Day seine Visionen für die Arbeitswelt 4.0 vor.
Jens Knut Fabrowsky, Bosch-Bereichsvorstand, stellte auf dem Smart Factory Day seine Visionen für die Arbeitswelt 4.0 vor.
(Bild: Stefan Bausewein )

Das Herz des Bosch-Geschäftsbereichs Automotive Electronics (AE) schlägt in Reutlingen: Dort werden in einer der weltweit modernsten Halbleiterfertigungen Mikrochips und Sensoren gefertigt. Der Standort ist der größte der 15 AE-Werke weltweit und zugleich das Leitwerk für Automobilelektronik im Bosch-Konzern. Bosch AE mit 32.400 Mitarbeitern weltweit zählt aber nicht nur technologisch zu den „Frontrunners“.

Ein mit Verve vorangetriebenes Thema des Geschäftsbereichs ist auch die „Arbeitswelt 4.0“. Crossfunktionale und hierarchie-übergreifende Zusammenarbeit und eine teambasierte Organisation sind die Ziele. Um in der schnellen Welt der Automobilelektronik erfolgreich zu sein, brauche es eine „neue Offenheit“ und dafür neue Arbeitsstrukturen und neue Leadership-Modelle. So sieht es Jens Knut Fabrowsky, Mitglied des Bereichsvorstandes Bosch AE.

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„Dem Elefanten das Tanzen lehren“

„Arbeitswelt 4.0 – Neue Ideen gegen starre Hierarchien“, hatte Fabrowsky als Titel für seinen Vortrag auf dem „Smart Factory Day“ ins Programm schreiben lassen. Den Untertitel reichte er mündlich nach: „Wie bekommen wir Bewegung in unsere Führungskräfte?“ Die Dringlichkeit, „dem Elefanten das Tanzen zu lehren“, so Fabrowsky, sei dem hohen Tempo geschuldet, das vor allem Unternehmen aus der Consumer Electronics- und Gaming-Industrie, aber auch zum Beispiel Tesla in der Automobilindustrie vorgeben. Dieses Tempo fordern sie auch von ihren Zulieferern. Und dazu zählt die Bosch-Sparte Automotive Electronics.

Und wie lehrt man nun einen Elefanten das Tanzen? Fabrowskys Antwort: „Mit Achtsamkeit.“ Als Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Unternehmensführung nannte er „die Menschen zu achten und ihnen zuzuhören“ und „auf die Kraft der Kompetenzen der Menschen zu vertrauen“. Der Bosch-Topmanager sprach sich offen gegen klassisches Hierarchiedenken aus. Führungskräfte sollen vielmehr hierarchie-übergreifend den Austausch und die Zusammenarbeit fördern, gestalten und managen. Leichter gesagt als getan, auch das machte Fabrowsky deutlich: „Nur 60 bis 70 Prozent der Führungskräfte werden in die Arbeitswelten 4.0 mitgehen. Und auch nicht alle Mitarbeiter“, warnte er die Zuhörer.

Kürzere Abstimmungs- und Entscheidungswege

Dass eine teambasierte, interdisziplinär eng zusammenarbeitende Organisation nachweislich zum Erfolg des Unternehmens beiträgt, davon ist Fabrowsky überzeugt: „Durch den direkten Austausch verkürzen wir Abstimmungs- und Entscheidungswege, wir werden so deutlich effizienter und schneller.“ Die Arbeitswelt 4.0 brauche jedoch einen „vollkommen neuen Geist“, so der Sparten-Vorstand weiter. Die Mitarbeiter müssen mehr Verantwortung übernehmen, imstande sein, sich selbst zu organisieren und sich auf immer neue Partner einzulassen. Die Chefs müssen die richtigen Leute auswählen, ihnen den Rücken stärken und den Rahmen bereitstellen.

Fabrowsky startete bei Bosch AE die Reise in die Arbeitswelt 4.0 mit einem Pilotprojekt: 2013 entwarf ein kleiner Kreis von Führungskräften ein Leadership-Modell: Zu den Kernpunkten zählte, „zuhören zu lernen“ und „auf die Mitarbeiter eingehen“. Aus dem Pilotprojekt ist mittlerweile ein internationales Leadership-Programm hervorgegangenen, an dem bis heute mehr als 2.000 Führungskräfte teilgenommen haben – getreu Fabrowskys Credo: „Führung heißt lernen, immer wieder und immer wieder von vorne“.

Die Digitalisierung der Produktion ist für Fabrowsky „die Basis für effiziente und erfolgreiche Zusammenarbeit über alle Führungsebenen hinweg.“ Es entstehe eine hohe Datentransparenz, die einen einheitlichen Informationsstand für alle Beteiligten erlaube. Das Produktionsnetzwerk von Bosch AE ist weltweit digital vernetzt und zwar bis hin zu den einzelnen Maschinen. „Wir erfahren im Übrigen auch sehr viel Unterstützung aus der Belegschaft“, berichtete Fabrowsky, „die Mitarbeiter wollen sich einbringen, sie wollen gefragt und gehört werden.“

Teambuilding auf dem „Campus unlimited“

Aus dem Leadership-Projekt heraus ist auch der offene Themen-Workshop „Campus unlimited“ entstanden. Alle Führungskräfte des Geschäftsbereichs – vom Meister, Teamführer bis zum Bereichs- und Werkleiter – können sich mit ihren Anliegen und Ideen bewerben. Rund 500 Führungskräfte werden insgesamt daran teilnehmen. In den jeweils dreitägigen Veranstaltungen brachten die Teilnehmer bisher ihre Themen ein und diskutierten sie. Über den Austausch und die thematische Auseinandersetzung finden sie sich selbstorganisatorisch zu so genannten „Peergroups“, Interessensgruppen, zusammen – die dann gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten. „Wir organisieren aber auch ganz bewusst Treffen ohne konkrete Themen“, führte Fabrowsky weiter aus. So entstünden neue Ideen und Themen, Kreativität und visionäres Denken werden gefördert.

Der Kernpunkt sei, so Fabrowsky, die Anliegen Einzelner zuzulassen und gemeinsam Lösungen zu finden – auf kurzem, direktem Weg, interdisziplinär und ohne Hierarchiehürden. So entstand beispielsweise ein Interventionsteam, das heute weltweit in der Produktion spezifische Taskforce-Aufgaben übernimmt: zum Beispiel bei Produktneuanläufen. Die Dreier-Gruppe, ein Chinese, ein Mexikaner und ein Spanier, hat sich aus eigenem Antrieb heraus zusammengefunden und sich schnell den Ruf eines hochkompetenten Expertenteams erarbeitet.

Wer Fabrowsky nach seiner Empfehlung für andere Unternehmen fragt, die Bosch AE nacheifern wollen, bekommt als Antwort: Der Schlüssel sei, die richtigen Leute für ein Thema zusammenzubringen. „Und tun Sie das möglichst unkompliziert!“

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal Automobil Industrie.

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