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User Experience Design

Anwendererlebnis ist mehr als Gebrauchstauglichkeit

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Ganzheitliche Betrachtung im Entwicklungsprozess gefordert

Im Zentrum der Arbeit stehen der Nutzer und sein Erlebnis am Produkt. Dominic Schindler, Gründer der Designwerkstatt: „Früher ging es hauptsächlich darum, dass etwas gut und günstig funktionierte. Heute ist das anders. Hinter der Anforderung an ein B2B-Produkt oder eine Dienstleistung steckt der Wunsch, es für den User besser und vor allem sicherer zu machen. Man orientiert sich sehr viel mehr an Emotionen. Wir entwickeln für unsere Partner Experience Design. Das beste Erlebnis ist das, bei dem man nicht weiß, dass man eines hatte. Wenn also nicht erkennbar ist, wie viel Arbeit in der Erlebniskette steckt.“

Schindler betont, dass es im Entwicklungsprozess nicht rein um die Ästhetik gehe, sondern darum, dem Nutzer die tägliche Arbeit zu vereinfachen und so seine Erfahrung zu verbessern. Schindler: „Bei der Entwicklung eines Produktes denken wir in drei Kategorien: Service Design, Interaction Design und Industrial Design. Es werden die Interaktion zwischen Mensch und Maschine sowie Services und Dienstleistungen entwickelt. Wir denken an den Gesamtprozess und weniger nur an die Hülle. Dabei stellen wir uns natürlich immer in den Dienst der Kunden.“

Laut Schindler Creations ist einer der häufigsten Fehler, die Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen begehen, mit der Technologie zu starten, ohne sich einen Gedanken um den eigentlichen Zweck der Neuentwicklung gemacht zu haben. Dabei sollte klar sein, dass Nutzer gerade im Zeitalter der digitalen Transformation, Vernetzung und Produktion keine schlechte User Experience akzeptieren. Wegen der wachsenden Komplexität gilt es, dem Anwender Orientierung bei seiner täglichen Arbeit zu geben. Das spiegle sich auch in den zukünftigen Trends im B2B-Design wider. Schindler: „Design wird sich in Zukunft so weiterentwickeln, dass die Bedienung von Produkten noch viel einfacher und intuitiver funktioniert. An einer Maschine zum Beispiel werden dann nur noch die Funktionen und Bedienelemente angezeigt, die für den jeweiligen Arbeitsschritt sinnvoll sind. Alles, was nicht gebraucht wird, fällt weg, um nicht vom Bedienprozess abzulenken.“

Der Nutzer steht im Mittelpunkt von Produkt- und Serviceentwicklung

Dass sich mit User Experience auch eine Effizienzsteigerung erzielen lässt, zeigt ein Projekt mit DMG Mori. Für den Zerspanungsspezialisten sollten die Einlernzeiten für ungelernte Benutzer reduziert und die Prozesse digitalisiert werden. Dabei galt es zudem ein einfaches Controlling zu realisieren sowie vier verschiedene Steuerungssysteme zu integrieren. Das Ergebnis war Celos, ein App-basiertes Steuerungs- und Bedienumfeld mit durchgehender User Experience für alle DMG-Mori-Maschinen, das die durchgängige Verwaltung, Dokumentation und Visualisierung von Auftrags-, Prozess- und Maschinendaten ermöglicht. Wie auf einem Smartphone hat der Bediener über das „Celos App Menü” direkten Zugriff auf alle verfügbaren Applikationen.

Der Maschinenbediener wird beim Vorbereiten, Optimieren und Abarbeiten von Fertigungsaufträgen durch die Apps unterstützt. Durch das schnelle Bedienen und Rüsten werden höhere Stückzahlen erreicht. Zudem bildet Celos die Brücke zu übergeordneten Unternehmens- und Produktionssystemen und ermöglicht so die Integration der Maschine in die Betriebsorganisation.

Maschinen und Produkte individuell an den Nutzer und den Prozess anpassen

Auch J. G. Weisser Söhne aus St. Georgen im Schwarzwald hat bei der Entwicklung des Fünffach-Frame-­Control-Panels mit Multitouch-Funktion den Nutzer in den Mittelpunkt gestellt. In Zusammenarbeit mit der User-Experience-Designerin Johanna Vollrath hat das Technologieunternehmen die Arbeitsweisen des Anwenders untersucht und sich der Entwicklung aus Sicht des Endnutzers genähert. Das Ergebnis ist ein HMI-Framework mit Fokus auf Usability sowie individuelle Anpassungsmöglichkeiten an den jeweiligen Prozess und dessen Umgebung.

Premiere feierte das 21,5''-Multitouchpanel auf der AMB 2016 in Stuttgart; als Basis dient die Sinumerik 840 sl. Damals betonte das Unternehmen, wie wichtig es sei, dass sich auch der Bediener mit seiner Maschine identifizieren kann.

Um dies zu erreichen, hat Weisser die Navigation strukturiert und mit benutzerindividuellen Screen- Layouts, sprich: Frames, ausgestattet. So lassen sich in drei Bildschirmbereichen Technologie-Steps abarbeiten, während gleichzeitig die Prozessdaten bereitgestellt werden. Die einzelnen Schritte können in prozesskonformen Abbildungen dargestellt werden.

Doch nicht nur die Informationen zum jeweiligen Fertigungsprozess können angezeigt werden, der Anwender kann sich auch verschiedene Hilfestellungen geben lassen. Als Beispiel ist hier Weisser 360 zu nennen. Das Informations- und Diagnosezentrum wurde als interaktive Mensch-Maschine-Schnittstelle konzipiert und unterstützt den Bediener sowie den Wartungs- und Servicetechniker laut Unternehmen schnell mit einer intuitiven Visualisierung von Informationen wie Fehlertexten und Wartungshinweisen über animierte Elemente, Piktogramme oder Animationsvideos. Dadurch lässt sich das Panel nicht nur für die Bearbeitung von Werkstücken verwenden, sondern auch zum Erlernen anderer notwendiger Arbeitsschritte, beispielsweise für das Einrichten der Maschine oder bestimmte Servicearbeiten.

Um den Endanwendern mehr Flexibilität zu bieten, hat Weisser sein Informations- und Diagnosezentrum „Open Source“ konzipiert. Das heißt, der Anwender kann entsprechend den eigenen Anforderungen bestimmte Aufgaben ergänzen oder verändern. So hat der Bediener die Möglichkeit, die Steuerung seiner Maschine über die Standardeinstellungen hinaus an seine Bedürfnisse anzupassen.

Zusätzliche Bedienelemente, zum Beispiel eine Tastatur für eine werkstückseitige Automatisierung oder für Messstationen, lassen sich über das Touchpanel einblenden. So werden dem Anwender nur die Tasten gezeigt, die für den jeweiligen Bearbeitungsschritt notwendig sind.

Dass das Nutzererlebnis nicht bei der Software endet, zeigt auch das Design des Panels. Um dem Anwender eine möglichst hohe Flexibilität zu bieten, wurde das in die Maschine integrierte Control-Panel ergonomisch gestaltet. Die festen Drucktasten sind nur noch für bestimmte Sicherheitsfunktionen notwendig.

Aufgrund der Möglichkeit, die Maschine durch das Panel individuell an den Bediener anpassen zu können, steigt die Usability für diesen und er verbindet ein positives Erlebnis damit.

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