Expertenbeitrag

 Nitesh Bansal

Nitesh Bansal

Senior Vice President und Global Head of Engineering Services

Cloud-basierte Engineering Services Am Schnittpunkt der physischen und digitalen Welt

Autor / Redakteur: Nitesh Bansal / Stefan Guggenberger

Das letzte Jahr hat die fertigende Industrie vor neue Herausforderungen gestellt und gezeigt, wie wichtig die digitale Transformation ist. Besonders die Cloud ist dabei unerlässlich, um die Prozesse den Anforderungen der 'neuen Normalität' anzupassen.

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Viele Unternehmen stehen vor einer Mammutaufgabe: sie müssen gleichzeitig innovativ, nachhaltig und kosteneffizient arbeiten. Gelingen kann das nur mit Digitalisierung und Automatisierung.
Viele Unternehmen stehen vor einer Mammutaufgabe: sie müssen gleichzeitig innovativ, nachhaltig und kosteneffizient arbeiten. Gelingen kann das nur mit Digitalisierung und Automatisierung.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Die COVID-19-Pandemie hat das öffentliche Leben, die Kultur und die Wirtschaft im vergangenen Jahr schwer getroffen – und weitgehend lahmgelegt. Wir befinden uns noch immer mitten in dieser Situation und die mittel- bis langfristigen Auswirkungen sind aktuell noch nicht zu beurteilen. Insbesondere die verarbeitende Industrie sah sich mit großen Herausfordernden konfrontiert: Viele Unternehmen wurden gezwungen, ihre Produktion deutlich zu reduzieren, da die Nachfrage nach vielen Waren und Dienstleistungen zurückging oder die Lieferketten unterbrochen wurden. Im Gegensatz dazu musste die Produktion an anderer Stelle schnell hochgefahren werden – insbesondere für dringend benötigte medizinische Produkte und Geräte sowie Güter des täglichen Bedarfs.

Um diese Herausforderung zu adressieren – sowie flexibler auf Marktanforderungen zu reagieren und inmitten der Krise geschäftliche Widerstandsfähigkeit zu erreichen –, investiert die Branche verstärkt in Digitalisierungs- und Automatisierungstechnologien. Sie ermöglichen Innovationen, die zur Bekämpfung der Pandemieauswirkungen auf die Gesellschaft und die Wirtschaft genutzt werden können – aber auch flexible, solide und effiziente Produktionsprozesse, die sich an die aktuelle Marktsituation und Nachfrage anpassen lassen. Die Krise hat die Bedeutung von Digitalisierung und Automatisierung für Unternehmen hervorgehoben – und diese Technologien werden nach der Pandemie noch wichtiger sein, wenn Unternehmen ihre 'neue Normalität' planen und neue Wettbewerbsvorteile generieren.

Die Krise trifft viele unvorbereitet

Um die Kontrolle wiederzuerlangen, benötigen Unternehmen belastbare Netzwerke, digital vernetzte Mitarbeiter sowie intelligente, vernetzte Produkte, um ihre Produktion neu auszurichten, Kosten zu senken und neue Angebote schneller auf den Markt zu bringen. Dies erfordert tiefergehende technische Eingriffe in Sachen Produktdesign, Software-Defined Networks, Robotik, Internet of Things (IoT) und Digitalisierung – Basis dafür ist Cloud Computing.

Seit der Pandemie ist Cloud Computing allgegenwärtig geworden. Unternehmen betrachten es als Synonym für Zuverlässigkeit, Ausfallsicherheit und Security. Aber beginnen wir am Anfang: Unsere globale Wirtschaft wurde von dezentralen Lieferketten geprägt, um die niedrigsten Produktionskosten zu erreichen. Man versuchte also, Produktionszentren an Orten zu errichten, an denen entweder Rohstoffe oder Arbeitskräfte oder beides im Überfluss vorhanden waren – damit steigen zwar die Logistikkosten, die Kosten vor Ort reduzieren sich hingegen signifikant. Die Pandemie hat jedoch gezeigt, wie risikoanfällig und fragil diese Lieferketten wirklich sind. Das Institute for Supply Management fand in einer Studie aus dem Jahr 2020 – also mitten in der Krise – heraus, dass beispielsweise fast 75 Prozent der US-amerikanischen Unternehmen irgendeine Art von Lieferkettenunterbrechung aufgrund des Coronavirus erlebt haben. Rund 44 Prozent waren nicht vorbereitet, um mit der Situation umzugehen beziehungsweise hatten keinen Plan für einen solchen Krisenfall.

Die Wertschöpfungskette kontrollieren

„Um diese Herausforderung zu adressieren und effizienter zu arbeiten, ist es entscheidend, die Lieferketten näher an die Verbrauchermärkte und die lokalen Lieferanten zu bringen. Das bedeutet, dass Unternehmen ihre Lieferkette zunehmend in heimische oder wirtschaftlich starke Märkte verlagern müssen – und damit mit höheren Kosten konfrontiert werden als beispielsweise bei der Produktion in einem wirtschaftlich weniger entwickelten Land. Diese Kosten müssen wiederum an anderer Stelle eingespart werden – etwa durch Automatisierung oder andere neue Technologien“, kommentiert Ravi Kumar S., Präsident von Infosys.

Mehr als jemals zuvor benötigt es die Wirtschaft, die sich die globalen Technologieunternehmen zunutze gemacht haben. Ein Modell, das die regionalen Fertigungslieferketten schnell in die Lage versetzt, die Fertigung in der Cloud zu betreiben, die additive Fertigung zu skalieren und sogar die KI-gestützte Zero-Touch-Produktion zu institutionalisieren.

Engineering-Organisationen befinden sich also quasi inmitten eines Paradigmenwechsels. Neben den langfristigen Auswirkungen von COVID-19 und der wirtschaftlichen Ungewissheit müssen Unternehmen mit Kosten- und Budgetdruck, einem Mangel an Ingenieurtalenten, schnellen technologischen Veränderungen, veränderten Verbraucherpräferenzen und strengeren Vorschriften für Nachhaltigkeit und Sicherheit zurechtkommen. Um erfolgreich zu sein, müssen Firmen ihre Strategie auf den folgenden Elementen aufbauen:

  • Intelligente Produkte und Abläufe; Anpassungsfähigkeit zur Nutzung globaler Marktchancen; erweitertes Engineering-Ökosystem
  • Schlanke Prozesse und Organisation; Flexibilität der Engineering-Ressourcen; frugale Engineering-Ansätze
  • Umweltfreundliche Innovationen bei Design und Materialien; Ressourcennutzung in Produkten und Prozessen; Produkt- und Prozesskonformität

Das primäre Ziel ist es, den Geschäftswert über die gesamte Wertschöpfungskette zu sichern, indem Unternehmen Innovationen beschleunigen, operative Exzellenz liefern und die Umweltbelastung minimieren – und all dies bei gleichzeitiger Kostensenkung.

Die vollständige Wertschöpfungskette integrieren

Während die massive Umschulung lokaler Produktionstalente eine Priorität sein wird, wird es schwer sein, auf die Nutzung des reichhaltigen Pools an Talenten des globalen Liefermodells zu verzichten. Angeschlagene Unternehmen, die schnell von der Krisenreaktion zur Erholung übergehen wollen, kommen um diese Mammutaufgabe allerdings nicht herum, wenn sie gestärkt aus der Krise hervorgehen möchten.

Denn es wird nicht mehr ausreichen, ausschließlich die Wertschöpfungsketten zu digitalisieren: Da sich der Arbeitsansatz aufgrund der physischen Distanzierung fast vollständig auf die digitale Ebene verlagert, ist die Ermöglichung von verteilter Remote-Arbeit in großem Umfang heute unverzichtbar und wird morgen zur Norm werden.

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