Aktion „Hey, Alter!“ Alte Rechner für junge Menschen: So lässt sich IT-Nachhaltigkeit mit sozialem Engagement verbinden

Von Detlev Spierling

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Wie sich IT-Nachhaltigkeit mit sozialem Engagement verbinden lässt, zeigt die gemeinnützige Aktion „Hey, Alter!“, bei der gebrauchte Rechner sozial benachteiligten Schülern zur Verfügung gestellt werden. Auch das IT-Systemhaus Compra in Hildesheim ist daran beteiligt.

Die Initative sammelt alte Rechner bei Unternehmen, Institutionen und von privaten Haushalten und macht sie fit für sozial benachteiligte Schüler.
Die Initative sammelt alte Rechner bei Unternehmen, Institutionen und von privaten Haushalten und macht sie fit für sozial benachteiligte Schüler.
(Bild: Unternehmerverein Hildesheim/Compra GmbH)

Der Klimawandel ist in vollem Gang und die Wirtschaft muss einen signifikanten Beitrag leisten, um die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 65 % im Vergleich zu 1990 reduzieren können. Als Leitfaden gelten die Sustainable Development Goals (kurz: SDG) der Vereinten Nationen sowie das Pariser Klimaschutzabkommen. Wer sich als Unternehmen an dem damit verbundenen Ziel der Transformation hin zu einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft nicht beteiligt, wird früher oder später aus dem Markt verdrängt.

Welchen Beitrag Informationstechnologie zum Klimaschutz heute leistet, hat das angesehene Öko-Institut mit Hauptsitz in Freiburg konkret am Beispiel der ökologischen Auswirkungen des mobilen Arbeitens in der Corona-Pandemie ausgewertet und nachgewiesen: Durch Arbeit im Homeoffice werden bis zu 3,7 Millionen Tonnen klimaschädliche Treibhausgase pro Jahr eingespart. Zu diesem Ergebnis kommen die Experten in ihrer am 23. Februar 2022 veröffentlichten Studie. „Auch nach der Pandemie kann daher eine Mischung aus Büropräsenz und mobilem Arbeiten aus Umweltgesichtspunkten vorteilhaft sein und selbst im konservativsten Szenario – mit 20 % Homeoffice – rund eine Million Tonnen Treibhausgase einsparen. Das entspricht etwa den Emissionen, die 370.000 Autos durchschnittlich in einem Jahr emittieren,“ erläutert Konstantin Kreye, Experte für Klimaschutz und Mobilität am Öko-Institut.

IT-Produkte müssen langlebiger werden

Eine längere Hardware-Lebensdauer ist ein weiterer, mindestens genauso wichtiger IT-Nachhaltigkeitsfaktor. Im Dezember 2020 hatte der EU-Umweltrat seine Position zum Kreislaufwirtschaftsaktionsplan der EU-Kommission beschlossen. Er plant unter anderem den verstärkten Einsatz von Rezyklaten, ein Verbraucherrecht auf Reparatur für wichtige Elektro- und IT-Geräte sowie ein stabileres und umweltfreundlicheres Geräte-Design. Am 9. Februar 2021 stimmte das EU-Parlament dem zu.

Demnach soll die EU-Kommission für die Langlebigkeit von Produkten neue Ökodesign-Kriterien entwickeln und Informationsanforderungen vorschlagen, damit Verbraucher Produkte in Zukunft einfacher reparieren können. „Unsere Wirtschaft ist heute noch überwiegend linear gestaltet und nur zwölf Prozent der Sekundärstoffe und -ressourcen gelangen wieder in die Wirtschaft zurück. Viele Produkte gehen zu schnell kaputt, können nicht ohne Weiteres wiederverwendet, repariert oder recycelt werden oder sind nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher kann ein enormes Potenzial entfaltet werden", sagte der zuständige EU-Exekutiv-Vizepräsident Frans Timmermans gegenüber dem Online-Portal Springerprofessional.de. Das betrifft besonders IT- und Elektrogeräte wie Smartphones, Tablets und Haushaltsgeräte. Unterstützt werden auch Maßnahmen zum nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen, wie der verstärkte Einsatz von Pfandsystemen, EU-weite Rezyklat-Einsatzquoten für bestimmte Produkte oder die Beschränkung des Exports von Plastikabfällen in Drittstaaten.

IT-Nachhaltigkeit plus Förderung sozial benachteiligter Kinder und Familien

„Hey, Alter!“ ist der griffige Name einer Idee, bei der nicht nur die Lebensdauer von Hardware-Produkten verlängert wird, sondern auch noch Kindern aus sozial benachteiligten Familien ermöglicht wird, digital zu Hause zu lernen. Gemeinsam mit anderen Partnern wie der Uni Hildesheim beteiligt sich Compra an dieser ursprünglich von der TU Braunschweig initiierten und dann vom Unternehmerverein Hildesheim und der Stiftung Niedersachsen Metall adaptierten gemeinnützigen Aktion, die Anfang Februar letzten Jahres gestartet wurde. Im Rahmen der Kampagne rufen die Initiatoren Unternehmen, Verwaltungen und private Haushalte auf, abgeschriebene, aussortierte, aber noch funktionierende Computer, Laptops und Tablets zu spenden.

Ehrenamtliche Helfer – darunter auch Studierende der Uni Hildesheim – helfen die eingehenden Computer unter anderem in den Geschäftsräumen von Compra zu inventarisieren, die Speicher zu neutralisieren und darauf dann das Betriebssystem Ubuntu Linux, einen Browser und Libre Office zu installieren. IT-Spezialisten des Systemhauses und von deren Kollegenfirma HCT unterstützen, wann immer es hakt.

Nachdem die gespendeten IT-Geräte technisch wieder flott gemacht worden sind, werden sie an Schülerinnen und Schüler überreicht, die damit zu Hause digital lernen können. Hierfür stellt die Stiftung Niedersachsen Metall in Abstimmung mit Schulträgern von Stadt und Landkreis Hildesheim den Kontakt zu bedürftigen Kindern her.

Frank Wuttke, Gründer und Geschäftsführer der Hildesheimer Compra GmbH
Frank Wuttke, Gründer und Geschäftsführer der Hildesheimer Compra GmbH
(Bild: Compra GmbH)

Auch ein Spendenkonto ist eingerichtet, um diese gemeinnützige Aktion zu unterstützen. Das Ziel: Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien zu mehr Chancengleichheit verhelfen. Denn wegen Corona waren viele Schulen zeitweise geschlossen oder hatten nur eingeschränkt geöffnet, weshalb Kinder häufig eigenständig zu Hause lernen mussten. Jedoch fehlten etliche Familien die Mittel zur Anschaffung der erforderlichen Computer. „Home-Learning wird unausweichlich zur Notwendigkeit für die Kinder“, sagt Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt von Unternehmer Hildesheim. „Eine digitale Ausstattung zu Hause ist dafür zwingende Voraussetzung.“

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„Bei der Übergabe der Geräte fließt schon mal die ein oder andere Träne, so groß ist auf der einen Seite der Bedarf und auf der anderen Seite die Freude, endlich ein funktionierendes Notebook zu besitzen“, berichtet Frank Wuttke, Gründer und Geschäftsführer des Hildesheimer Unternehmens Compra.

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