Expertenbeitrag

 Timo Sachse

Timo Sachse

Product Analyst EMEA, Axis Communications

Öffentlicher Raum Akzeptanz von Smart-City-Technologien im „New Normal“

Autor / Redakteur: Timo Sachse / Sebastian Human

Die Pandemie traf viele öffentliche Bereiche des Lebens, so auch das Zusammenleben in der Stadt und das Sicherheitsgefühl ihrer Bewohner. Entsprechende Technologie kann Städte dahingehend unterstützen, doch wie sieht es mit der Akzeptanz der Bürger aus?

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Sogenannte Crowd-Management-Lösungen können in Städten für zusätzlichen Schutz der Bürgerinnen und Bürger sorgen und könnten zum wichtigen Bestandteil von Smart Cities werden, vorausgesetzt die Bevölkerung akzeptiert sie.
Sogenannte Crowd-Management-Lösungen können in Städten für zusätzlichen Schutz der Bürgerinnen und Bürger sorgen und könnten zum wichtigen Bestandteil von Smart Cities werden, vorausgesetzt die Bevölkerung akzeptiert sie.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Beobachtung und Leitung von Personenströmen ist zu einer zentralen Komponente für die Sicherheit in Städten geworden. Egal, ob auf frei zugänglichen Plätzen oder in öffentlichen Gebäuden, die verantwortlichen Stellen müssen stets einen Überblick über die aktuelle Situation haben. Videobasierte Crowd-Management-Lösungen messen Besucherströme, zählen Personen – und tragen auf diese Weise dazu bei, Ansammlungen zu vermeiden. Doch inwiefern akzeptiert die breite Bevölkerung solche Smart-City-Technologien bereits und wie stellen die Deutschen sich die Zukunft in der Stadt vor?

Laut einer Studie der UN lebt mehr als die Hälfte der Menschheit, nämlich 56,2 Prozent oder umgerechnet 3,5 Milliarden Menschen, derzeit in Städten. Diese Zahl wird Prognosen zufolge bis 2030 auf fünf Milliarden (60,4 Prozent) anwachsen. Diese Urbanisierung treibt die Einführung von Technologien in die städtische Infrastruktur voran. Doch welche Auswirkungen haben Smart-City-Technologien auf Menschen, die in Städten leben? Wie stehen die Personen diesen Technologien gegenüber?

Das niederländische Marktforschungsunternehmen Multiscope1 ging diesen Fragen im Auftrag von Axis Communications Anfang des Jahres auf den Grund. Insgesamt wurden 4.500 Personen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern mittels einer Online-Studie zu ihrem Sicherheitsempfinden befragt. Das Ergebnis: Das Sicherheitsgefühl in der Öffentlichkeit scheint vor allem nachts nicht immer vorhanden zu sein. Knapp die Hälfte (48 Prozent) hat laut Umfrage Angst, in der Nacht auf Deutschlands Straßen unterwegs zu sein und hält das Smartphone daher stets griffbereit. Bei den befragten Frauen in Deutschland liegt der ermittelte Anteil sogar bei über 63 Prozent.

Während sich Menschen durch bewusstes Bereithalten des Smartphones sicherer fühlen, können Städte auf Technologien setzen, die ihren Bewohner Schutz bieten. Laut der Umfrage sind 64 Prozent der deutschen Studienteilnehmer der Meinung, dass Kameras ihr Sicherheitsgefühl auf den Straßen erhöhen. Zugleich empfindet nur ein Drittel (32 Prozent) der befragten Deutschen Videokameras als Eingriff in die Privatsphäre.

Technologien helfen bei Einhaltung der COVID-19-Maßnahmen

Über das generelle Sicherheitsempfinden hinaus hat die Corona-Pandemie neue Herausforderungen für das Zusammenleben in Städten geschaffen – vor allem die geltenden Abstands- und Hygieneregeln. Auch hier zeigen die Umfrageergebnisse: Nur 39 Prozent der Befragten fühlen sich im öffentlichen Raum so sicher, dass sie sich trauen, Personen anzusprechen, die die Regelungen nicht einhalten. Es überrascht daher nicht, dass fast die Hälfte der befragten Deutschen (49 Prozent) denkt, dass Technologien wie Videokameras und Audioanwendungen bei der Einhaltung von COVID-19-Maßnahmen helfen könnten.

Moderne Netzwerklösungen können hierbei eine Reihe von neuen Aufgaben übernehmen: Dazu zählen unter anderem Audiosysteme, die an die Abstands- und Maskenregelungen erinnern, Live-Streaming von normalerweise sehr belebten Plätzen, sowie Crowd- und Occupancy-Management zur Kontrolle und Steuerung des Personenflusses in Geschäften und auf Straßen. Beim sogenannten Crowd-Management geht es vor allem um das Verständnis der Dynamik und des Verhaltens von Menschenmengen, um riskanten oder gesundheitlich bedrohlichen Situationen vorzubeugen.

Crowd-Management: Intelligente Kombination aus IP-Video und -Audio

Videobasierte Crowd-Management-Lösungen erfassen Menschenmengen, messen Besucherströme und zählen Personen – auf diese Weise tragen sie dazu bei, große Ansammlungen zu vermeiden. IP-Kameras mit integrierter Videoanalyse registrieren Personen, die sich in einer gewissen Zone bewegen, und geben so automatisiert einen generischen und datenschutzkonformen Überblick über die Gesamtanzahl der Personen an diesem Ort. Automatisierte Mitteilungen auf Grundlage vordefinierter Regeln helfen Sicherheitsbehörden, Personen umzuleiten oder Notfallevakuierungen zu planen und durchzuführen. Audiolösungen können Nachrichten einfach und gezielt an Personen im betroffenen Areal weitergeben. Geplante, regelmäßige Erinnerungen, ereignisbasierte Durchsagen oder Live-Sprachnachrichten sind mit so einem System möglich.

Projekte, die solche Videoanalysen bereits vor der Pandemie verwendeten, gibt es beispielsweise in der niederländischen Stadt Almere. Seit einigen Jahren wird dort mit People-Counter-Lösungen erfolgreich Crowd-Management betrieben. Die Informationen zu der Anzahl von Personen auf Plätzen oder in öffentlichen Gebäuden werden dabei an Mitarbeiter, Kunden oder Passanten via Displays weitergegeben. Doch nicht nur mit Displays oder Ordnungskräften kann auf das Verhalten der Personen innerhalb einer Menschenmenge eingewirkt werden, auch farbiges Licht wird als Signalgeber in Städten eingesetzt. Grünes Licht sorgt bei den meisten Menschen automatisch für Entspannung, während rotes Licht Alarmbereitschaft auslöst. Ist ein bestimmtes Areal daher grün ausgeleuchtet, wird es gerne von Passanten frequentiert – rote Bereiche dagegen gemieden. So lassen sich Personenströme unterbewusst leiten.

Die Zukunft von Großveranstaltungen

Auch in Zukunft, wenn Großveranstaltungen samt Sicherheitspersonal wieder möglich sein werden, bleibt die Akzeptanz von Kamera- und Audiolösungen in der breiten Bevölkerung bestehen. Das gilt nicht nur in Bezug auf die Einhaltung von Hygieneregelungen, sondern bei der Sicherheit insgesamt: In Deutschland wünscht sich laut Umfrage eine große Mehrheit (63 Prozent) künftig zusätzliche Kameraüberwachung auf Veranstaltungen, um sich in großen Menschenmengen sicherer zu fühlen. Auch von Bodycams, die von Sicherheitspersonal bei großen Veranstaltungen oder an Knotenpunkten eingesetzt werden, sind die Deutschen überzeugt. Laut Umfrage glauben fast Dreiviertel (73 Prozent), dass am Körper getragene Kameras das Leben von Polizeibeamten und Sicherheitspersonal, u. a. bei Großveranstaltungen, erleichtern.


1 Im Rahmen dieser von Axis Communications in Auftrag gegebenen repräsentativen Online-Studie befragte Multiscope in der breiten Bevölkerung 1.500 Personen aus Deutschland, jeweils 1.000 Personen aus Belgien und den Niederlanden, sowie jeweils 500 Personen aus Österreich und der Schweiz im Januar 2021 zum Themenkomplex „Lebensqualität in Smart Cities“. Im Zuge dessen beantworteten die Teilnehmer Fragen zur Sicherheit im öffentlichen Raum sowie zu Mobilität, Beleuchtung und Umwelt unter dem Einsatz von Kameras und Sensorik in Städten.

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