Künstliche Intelligenz AI: Turbopower für die Produktion

Redakteur: Jürgen Schreier

Produktionsturbo und hilfreiche Assistenz: So sieht man in der deutschen Industrie die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI). Als potenziellen Jobkiller will man sie aber nicht wahrhaben. Das zeigt eine Untersuchung von Sopra Steria Consulting im Vorfeld der Hannover Messe 2017.

Firmen zum Thema

IBM Watson unterstützt als Security Advisor Unternehmen im Kampf für mehr Cybersicherheit.
IBM Watson unterstützt als Security Advisor Unternehmen im Kampf für mehr Cybersicherheit.
(Bild: IBM)

Die künstliche Intelligenz - kurz KI genannt - ist inzwischen weit über das Erprobungsstadium hinaus gediehen. Das illustriert unter anderem die KI-Lösung Watson von IBM. Sie steuert den elektrischen Minibus Olli des US-Unternehmens Local Motors nicht nur autonom durch den Verkehr, sondern lässt ihn auch mit den Passagieren plaudern. Dafür sorgen Watson IoT sowie Watson APIs wie Speech to Text, Natural Language Classifier, Entity Extraction und Text to Speech. Fragt ein Fahrgast beispielsweise „Gibt es ein gutes Restaurant in der Nähe?“, dann macht Olli Empfehlungen und steuert schnurstracks den ausgewählten Gourmettempel an.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

KI: Automotive-Sparte und Verarbeiter haben die Nase vorn

Doch nicht nur die Produkte selbst macht KI "smart", auch in der Produktion soll künstliche Intelligenz für einen Turboschub sorgen. Allein im Automotive-Sektor und in der verarbeiteten Industrie setzen sechs von zehn Unternehmen bei der Automatisierung ihrer Fertigungsprozesse auf KI, so ein Kernergebnis der Sopra-Steria-Studie. In beiden Branchen verspricht man sich davon schnellere Abläufe und damit spürbare Wettbewerbsvorteile. Als Jobkiller sehen die Entscheider die neuen Technologien derzeit nicht - besser: noch nicht. Mehr als 40 Prozent der befragten Entscheider möchten ihre Fachkräfte stärker durch Bots und digitale Assistenten unterstützen, aber keineswegs entlassen.

Das größte Potenzial sehen Unternehmensentscheider bei intelligenten Automatisierungstechnologien, die im Unterschied zu vorhandenen Technologien über Sensorik und Daten eine flexiblere Steuerung von Maschinen sowie die direkte Interaktion zwischen Mensch und Maschine erlauben. Technologien wie „Affective Computing“, das branchenübergreifend eher selten eingesetzt wird, kommen im Automotive-Sektor deutlich häufiger zur Anwendung als anderswo. Beim Affective Computing erkennen und interpretieren Maschinen menschliche Gefühlsäußerungen und warnen zum Beispiel bei Müdigkeit vor Fehlbedienungen oder Unfällen.

KI-Schaufenster Hannover Messe

Automatisierungstechnologien (49 Prozent) und digitale Assistenten (43 Prozent) werden branchenübergreifend auch in Zukunft zu den wichtigsten Einsatzgebieten künstlicher Intelligenz gehören, so die Erkenntnis der Sopra-Steria-Analysten. „Bis 2025 werden die Bedeutung von KI und die Investitionen in intelligente Fertigungssysteme noch deutlich zunehmen“, weiß Andreas Schmidt, Experte für Innovation Management bei dem Beratungsunternehmen. „Aber schon heute sehen wir, dass künstliche Intelligenz längst in den Unternehmen angekommen ist. Auf der Hannover Messe werden wir zahlreiche Beispiele dafür erleben, wie KI schon heute dazu beiträgt, Prozesse zu beschleunigen.“

Mit Robotic Process Automation (RPA), intelligenten Automatisierungstechnologien und Sensorik, digitalen Assistenten, Predictive Analytics oder Affective Computing liegen die Einsatzanteile von KI in der Automobilindustrie und im verarbeitenden Gewerbe deutlich über denen anderer Industriezweige. Mit dieser Vielfalt korreliert auch die KI-Kompetenz der Mitarbeiter dieser Branchen, die bei allen Fach- und Führungskräften, aber auch bei den Spezialisten und Young Professionals deutlich über den Schnitt anderer Industriezweige liegt.

Die Automobilbranche verspricht sich eine deutliche Nutzensteigerung durch den Einsatz von KI, da sich damit das stetig wachsende Datenaufkommen beherrschen, strukturierte und unstrukturierte Informationen besser bewerten, die Arbeitskosten reduzieren sowie Prozesse beschleunigen lassen. Ähnlich positiv fällt die Erwartungshaltung im verarbeitenden Gewerbe aus.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Roboter und Bots als nützliche Helferlein

Angesichts der öffentlich geführten Diskussionen um die Zukunft der Arbeit in Zeiten künstlicher Intelligenz ist eine weitere Einschätzung der Manager bemerkenswert: Zwar sehen branchenübergreifend fast acht von zehn Entscheider (78 Prozent) positive Auswirkungen des KI-Einsatzes auf Personalkosten und -aufwand in der Produktion. Dennoch ist diese Erwartung weniger mit der Aussicht verbunden, menschliche Arbeit durch Roboter und andere Automationssysteme zu ersetzen.

Derzeit sehen rund vier von zehn Entscheidern in der verarbeiteten Industrie und im Automotive-Sektor den Wegfall von Arbeitsplätzen als zentrale Auswirkung des KI-Einsatzes. In der Automobilindustrie sollen mit intelligenten Assistenzsystemen vielmehr monotone und gefährliche Tätigkeiten reduziert werden. „Den Ruf als Jobkiller erfüllt KI damit nach Überzeugung der befragten Entscheider zumindest heute noch nicht“, betont Innovationsexperte Schmidt.

Managementkompass erleichtert Einstieg in KI-Projekte

Zeitgleich mit den Studienergebnissen hat Sopra Steria Consulting einen Managementkompass Künstliche Intelligenz veröffentlicht. Er zeigt auf, welche Potenziale künstliche Intelligenz kurz- und mittelfristig bieten kann und welche Vorteile Unternehmen schon jetzt haben. Der Kompass bietet auch eine Übersicht über unterschiedliche Anwendungsbereiche wie Vertrieb & Service, Beratung, Personalmanagement und Kundendienst.

Welchen Nutzen der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) entfaltet, hängt laut "Managementkompass" nicht zuletzt vom Grad der digitalen Reife ab, die ein Unternehmen bereits erreicht hat oder in absehbarer Zeit erreichen wird. Um das kurz- und mittelfristige Potenzial realistisch bewerten zu können, sei eine selbstkritische Betrachtung des aktuellen Vernetzungs- und Automatisierungsgrades, der Sicherheit eigener und externer IT-Infrastrukturen sowie verfügbarer Datenquellen ebenso notwendig wie strategische Überlegungen zur betrieblichen Organisation, so das internationale Beratungsunternehmen.

Über eine Checkliste im "Managementkompass" können Unternehmen die Roadmap für den Einstieg in KI konkret planen, indem sie ihre eigene Position bestimmen, ihre IT-Infrastruktur auf Tauglichkeit überprüfen und die Unternehmensprozesse darauf abklopfen, inwieweit sie sich für KI-Pilotprojekte eignen.

(ID:44648208)