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Superhelden und Oscar

Additive Fertigung in Hollywood

| Autor: Simone Käfer

3D-Druck erleichtert nicht nur die Arbeit von Konstrukteuren oder Instandhaltern. Auch Filmschaffende profitieren von der Technik. Sogar einen Oscar gewann die Additive Fertigung schon. Allerdings nicht für Superheldenkostüme, sondern für detailreiche Gesichter.

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Der Baum aus dem Film „Chase me” besteht aus 22 3D-gedruckten Einzelteilen.
Der Baum aus dem Film „Chase me” besteht aus 22 3D-gedruckten Einzelteilen.
( Bild: chasemefilm.com )

Aus mehreren Tagen wurden Stunden; mehr und genauere Details, mehr Stückzahlen und kein Ausschuss mehr. Auch die Kostümdesigner, Spezialeffekt-Experten und Maskenbildner sind Nutznießer additiv gefertigter Produkte. Aber Regisseure sehen die Vorteile: Sie können den Prototypen der Designer so verändern, dass sie ihren Vorstellungen entsprechen – und am nächsten Tag kann der Dreh auch schon beginnen.

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Ihren Spaß haben auch Fans: So wurden beispielsweise Modelle der 3D-gedruckten Star-Wars-Helme in den USA als Fanartikel verkauft. Die detailgetreue Reproduktion macht es möglich. Lieferant der additiven Technik war Voxeljet. Auf ihrer Webseite beschreibt das Unternehmen den Prozess folgendermaßen:

„Zu Beginn wird am Computer ein 3D-Modell oder ein 3D-Scan des realen Objekts erstellt. Anhand der daraus entstandenen Datei, kann das Design an die Vorstellungen des Regisseurs angepasst werden, bevor das Modell gedruckt wird. Mit der Einleitung des Druckprozesses wird eine 0,15 mm dünne Schicht PMMA-Pulver auf eine Bauplattform aufgetragen, welche im Anschluss durch einen Druckkopf selektiv mit Binder verklebt wird. Nachdem das Requisit gedruckt wurde kann es noch nachbearbeitet werden, in dem es koloriert und mit Detaillierter Handarbeit fertiggestellt wird.”

Jemand, dessen Arbeit sicherlich viele von uns kennen, ist Jose Fernandez. Er ist der Mann hinter den Kostümen für Daredevil, Spiderman, Thor oder Batman vs. Superman. Gedruckt wurde mit SLA (Stereolithografie), doch zogen die fragilen Teile einige Nacharbeiten mit sich. Inzwischen kommen aus einem SLS-3D-Drucker Superheldenkostüme aus Nylon. Diese Arbeit wird von einem Dienstleister übernommen.

Der Oscar geht an ... einen 3D-Drucker

Natürlich hat der Drucker den Oscar nicht bekommen. Aber Laika gewann 2016 den Technik-Oscar. Die Filmproduktionsfirma nutzt 3D-Drucker für die Gesichter der Puppen in ihren Stop-Motion-Filmen. In Kombination mit digitalen Filmtechniken wären so die detailstarken Ausdrücke auf den Gesichtern der Puppen möglich, wie in dem Film „Coraline”. Der Drucker kam von Stratasys. Das Problem war damals nur, dass die Gesichter in dem weißen Plastik erstrahlten, mit dem gedruckt wurde. Jedes Gesicht musste per Hand bemalt werden. Doch inzwischen gibt es auch buntes Filament. So wurden aus den damals 207.000 Gsichtsausdrücken für „Coraline” 48 Millionen für den aktuellen Film „Kubo”.

Ein ganzer Film aus dem 3D-Drucker

Mit dem Stereolithografie-Drucker Form1+ von Formlabs wurde ein ganzer Film ausgedruckt.
Mit dem Stereolithografie-Drucker Form1+ von Formlabs wurde ein ganzer Film ausgedruckt.
( Bild: Formlabs )

Sogar ein Film, dessen Setting, Requisiten und Hauptdarsteller aus dem 3D-Drucker stammen, wurde bereits gedreht: „Chase me”. Dafür druckte der Filmemacher Gilles-Alexandre Deschaud 2500 Einzelteile mit 80 l Resin aus. Resin ist ein Polyurethan-Gießharz. Deschaud nutzte den Stereolithografie-Drucker Form 1+ von Formlabs. Nur für das Ausdrucken benötigte er 10 Monate, etwa 6000 Stunden. Die Produktion des Kurzfilms dauerte 2 Jahre.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal MM MaschinenMarkt erschienen.

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