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Mobilfunk 99,9999 % – so verändern sich mit 5G die Erwartungen der Industrie

| Autor / Redakteur: Volker Held* / Sebastian Human

Die COVID-19-Pandemie treibt die Transformationsagenda in vielen Industriebereichen voran und beschleunigt die Einführung von 4G/5G in Unternehmen. Mit den neuen Anwendungen verändern sich aber auch die Erwartungen der Unternehmen an die Netze.

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Mit neuen Anwendungen, die auf 5G basieren, steigen die Erwartungen der Unternehmen an diese - doch Telekommunikationsanbieter können sich darauf einstellen.
Mit neuen Anwendungen, die auf 5G basieren, steigen die Erwartungen der Unternehmen an diese - doch Telekommunikationsanbieter können sich darauf einstellen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

In kürzester Zeit hat die COVID-19-Pandemie das globale Wirtschaftsleben stark verändert. Selbst Unternehmen, die sich selbst eigentlich als „Game Changer“ verstehen, hatten das so nicht für möglich gehalten.
Überall mussten Unternehmen Telearbeit beziehungsweise Home Office einführen oder zumindest die Möglichkeiten dafür massiv und vor allem schnell ausbauen. Ziel war es, das Tagesgeschäft möglichst unterbrechungsfrei und stabil weiterführen zu können. Auch für Unternehmen, die beim Thema digitaler Wandel bereits vergleichsweise weit fortgeschritten sind und konsequent auf neue Schlüsseltechnologien setzen, war und ist das eine besondere Herausforderung.

Für viele Industrieunternehmen ist der neue Mobilfunkstandard 5G eine innovative Schlüsseltechnologie und steht im Zentrum vieler Überlegungen, etwa mit Blick auf das Internet der Dinge. Einige haben bereits ihre Netze ausgebaut und nutzen entweder 4G oder sogar 5G inzwischen schon in der Praxis, während weitere Unternehmen aktuell dabei sind, die Planungen zu beschleunigen.

Aber eines ist allen klar: Schnelle Kommunikationsnetze, darunter 5G, können der Digitalisierung in Deutschland einen gewaltigen Schub geben, vor allem in der Industrie. Nicht umsonst prüfen über 90 Prozent der Entscheider in der verarbeitenden Industrie den Einsatz von 4G- und/oder 5G-Mobilfunk in ihren Betrieben. Drei Viertel planen, ihre Kommunikations- und Steuerungsnetze bis Ende 2022 aufzurüsten. Das zeigt eine aktuelle Studie von Nokia und ABI Research, in der über 600 internationale Entscheider befragt wurden. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass sie nur mir der neuesten Generation von Mobilfunktechnik (4G/LTE bzw. 5G) die eigenen digitalen Transformationsziele erreichen können.

Wie sich die Erwartungen von Unternehmen an die Netze verändern

Entsprechend dürften die Netze mit Blick auf Industrie 4.0, neue Produktionsabläufe und Geschäftsmodelle mit entscheidend sein für den Erfolg oder das Scheitern digitaler Transformation.

Aber mit den neuen Anwendungsmöglichkeiten verändern sich auch die Erwartungen der Unternehmen an diese Netze. Man muss sich nur einmal vorstellen, was die Netze künftig alles leisten werden, welche Vielfalt von Aufgaben sie bewältigen sollen:

  • Industrieunternehmen werden ganze bestehende Infrastrukturen wie Produktionsanlagen digitalisieren, vernetzen und verbessern,
  • sie treiben die Automatisierung voran, etwa mit dem Einsatz von vernetzten Robotern,
  • und wollen nicht zuletzt die Produktivität ihrer Mitarbeiter erhöhen.

Doch für jede Anwendung brauchen Industrieunternehmen im 5G-Zeitalter eine bestimmte und garantierte Netz- und Servicequalität. Zur Erinnerung: 5G-Netze können in Segmente (Slices) unterteilt werden, die auf einen bestimmten Anwendungsfall abgestimmt sind, wodurch eine enorme Vielfalt an Anwendungen mit unterschiedlichen Anforderungen an die Netzqualität möglich sind. Beispielsweise braucht das VR-Headset eines Ingenieurs einen hohen Datendurchsatz und sehr geringe Latenz, aber nur ein mittleres Zuverlässigkeitslevel, wohingegen ein Netz, das eine autonome Drohne steuert, eine durchgehend ultra-niedrige Latenz bei höchster Zuverlässigkeit benötigt.

Deshalb tolerieren Industrieunternehmen ab sofort keine Best-Effort-Ansätze mehr, sondern verlangen von ihren Telekommunikationsanbietern verbindliche Service-Level-Agreements für unterschiedlichste Anwendungen. Da die Zuverlässigkeit einer der wichtigsten Vorteile von 5G ist, erwarten Unternehmen Garantien von bis zu 99,9999 % Verfügbarkeit – und die Verträge zwischen Unternehmen und Telekommunikationsanbietern werden erhebliche Strafzahlungen bei Nichterfüllung dieser Garantien beinhalten. Das bedeutet eine radikale Abkehr vom Best-Effort-Ansatz und setzt beim Telekommunikationsdienstleister entsprechende Fähigkeiten zur Bereitstellung und Absicherung der geforderten kunden- und anwendungsspezifischen Qualitätsmerkmale im Netzbetrieb voraus.

KI und maschinelles Lernen – wie sich Telekommunikationsanbieter auf die veränderten Erwartungen einstellen können

Für Telekommunikationsanbieter heißt das: Sie müssen ihre Betriebsprozesse entsprechend verändern und automatisieren. Zum Beispiel reichen bisher übliche und oft manuelle Wartungsabläufe nicht mehr aus. Dagegen wird Automatisierung unterstützt von maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz angesichts der zunehmenden Komplexität und der gestiegenen Erwartungen von Unternehmenskunden aus der Industrie zu einem Muss für sie. Sie müssen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen nutzen, um die Fehleranalyse zu beschleunigen und die versprochene Dienstequalität entsprechend sicherzustellen.

Die unmittelbaren Vorteile liegen auf der Hand – im Nokia Assurance Center konnte beispielsweise der Aufwand für das Alarmmanagement dank des Einsatzes KI-basierter Filterung und Korrelation um 90 Prozent reduziert werden, wobei mehr als 30 Prozent der Probleme ohne menschliches Eingreifen automatisch behoben werden.

Mit einem KI-Ökosystem können viele Unternehmen und Kommunikationsanbieter von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse konnte der Telekommunikationsanbieter Hutchinson 3 Strukturen aufbauen, mit denen beispielsweise in Indonesien die Datengeschwindigkeit um 75 Prozent erhöht werden konnte.

Katalysator für den Wandel

Wir sind an einem Wendepunkt bei der Transformation in Richtung Industrie 4.0 angelangt, weil die dafür notwendigen schnellen, zuverlässigen und sicheren Netze jetzt verfügbar sind.

Der Bedarf an industrietauglichen und einfach zu implementierenden privaten LTE oder 5G basierten Campusnetzen steigt rasant, was man an der Zahl der Implementierungen ablesen kann.

Die COVID-19-Pandemie legt dabei gerade jetzt bestehende Schwächen gnadenlos offen. Sie führt nicht nur die Netze an ihre Grenzen, sondern zeigt, dass wir in Deutschland beim Thema Digitalisierung längst nicht so weit sind wie wir sein könnten. COVID-19 ist bereits ein Katalysator für den Wandel. Neue Technologien, die vielleicht schon jahrelang in der Pipeline waren, erhalten jetzt besonders in der Industrie plötzlich unmittelbare Priorität.

* Volker Held arbeitet als Head of Marketing for Managed Services bei Nokia.

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