Kommentar

6 Punkte, um die Weichen für die Zukunft zu stellen

| Autor / Redakteur: Dr. Gunther Wobser / Julia Moßner

Dr. Gunther Wobser ist der Geschäftsführende Gesellschafter der Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG. Er leitet die Geschicke des Weltmarktführers für exakte Temperierung seit dem Jahr 2003.
Dr. Gunther Wobser ist der Geschäftsführende Gesellschafter der Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG. Er leitet die Geschicke des Weltmarktführers für exakte Temperierung seit dem Jahr 2003. (Bild: Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG.)

Was müssen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft tun, damit Deutschland seine derzeit guten Voraussetzungen bewahren und stärken kann? Der Blick von außen oder aus der Ferne ist oft hilfreich. Ein deutscher Unternehmer, der ein Jahr im Silicon Valley verbracht hat, legt seine Sichtweise in sechs Umsetzungspunkten dar.

Im Silicon Valley herrscht Wirtschaften pur. Politik spielt nur eine kleine Rolle und das ist gut so. Das Beste an Politik ist, wenn sie einen in Ruhe lässt. Natürlich spuckt Trumps Fatalismus so manchem in die Suppe und es wird zum Beispiel immer schwerer die besten Talente legal ins Land zu holen.

Ist das Silicon Valley denn wirklich „nur“ ein Mindset und kann es im Prinzip überall stattfinden? Ich glaube nicht, das wäre zu einfach. Wenn aber die Politik jetzt gemeinsam mit der Wirtschaft und der Wissenschaft das umsetzt, was sie sowieso schon weiß und von profunden Kennern bereits mehrfach erklärt bekam, haben wir in Deutschland eine echte Chance. Auf den Punkt gebracht gibt es jetzt noch einmal die sechs wichtigsten Umsetzungspunkte, wie ich sie priorisiere:

Dr. Gunther Wobser ist der Geschäftsführende Gesellschafter der Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG. Er leitet die Geschicke des Weltmarktführers für exakte Temperierung seit dem Jahr 2003.
Dr. Gunther Wobser ist der Geschäftsführende Gesellschafter der Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG. Er leitet die Geschicke des Weltmarktführers für exakte Temperierung seit dem Jahr 2003. (Bild: Lauda Dr. R. Wobser GmbH & Co. KG.)

1. Handeln statt reden

Deutsche Politiker singen gerne das Loblied auf den Mittelstand und bauen gleichzeitig eifrig an den innovationshindernden Barrikaden. Ja, Deutschland ist erfolgreich und meistert die europäische Krise. Positive Meldungen überschlagen sich. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historisch niedrigen Stand. Aber woran liegt das außer an den niedrige Zinsen und unterbewertetem Euro? An der Tatkraft der deutschen Politik gewiss nicht. Stattdessen gibt es immer mehr Regularien und bürokratische Hürden, die gerade für den Mittelstand zunehmende Belastungen schaffen. Wirksame Innovationsförderung oder Unterstützung bei der notwendigen Digitalisierung? Fehlanzeige. Die Digital Agenda aus dem Koalitionsvertrag 2013? Ein Lippenbekenntnis.

2. Deutschland mit gezielter Immigration stärken

Das Silicon Valley ist ein Magnet für Menschen aus der ganzen Welt mit dem unbändigen Hunger nach Erfolg und Anerkennung. Und vielleicht auch nach dem ganz großen Geld. Ein Anziehungspunkt für exzellent ausgebildete junge Menschen mit herausragenden Ambitionen. Nicht selten ziehen die CEOs der Startups aus Indien oder Israel ins Silicon Valley, um sich zu vernetzen und ganz nahe am global führenden Headquarter für Wissenschaft, Technologie und Kapital zu sein. Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss für Talente aus anderen Ländern attraktiver werden. Wir brauchen eine gezielte Exzellenz-Initiative mit konkreten Angeboten für qualifizierte Immigranten.

3. Dem Mittelstand Präsenz geben

Die Bedeutung mittelständischer Familienunternehmen als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ ist in Deutschland und einigen Ländern Europas inzwischen anerkannt. Im Silicon Valley dagegen findet Mittelstand nicht statt. Es wäre an der Politik, dem Mittelstand eine Plattform zu schaffen, damit er von der Infrastruktur profitieren kann und ein Profil bildet, das „Made in Germany“ wieder zu einer modernen Qualitätsmarke werden lässt.

4. Unternehmertum als sozial anerkennen

Unternehmerische Verantwortung heißt für mich nicht, immer mehr „soziale Bonbons“ zu verteilen. Es gibt viel lautes Getöse um „Corporate Social Responsibility“ und die soziale Verantwortung des Unternehmers. Für mich sind diese Bekenntnisse schon lange zu laut, um noch glaubwürdig zu sein. Unternehmen sind per definitionem sozial. Es ist die primäre Verantwortung eines Firmenlenkers, sein Unternehmen immer wieder neu zu erfinden und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Das sichert Arbeitsplätze, gute Arbeitsplätze, und ist somit auch ein wichtiger sozialer Beitrag für unser Land.

5. Exzellenz stärken

Stanford, Berkeley und einige weitere sehr gute Hochschulen wie San José State oder Santa Clara – nur, um die wichtigsten zu nennen. Und Deutschland? Trotz Exzellenzinitiative regiert in der deutschen akademischen Landschaft das Mittelmaß. Das kann man natürlich auch positiv sehen, denn ein durchschnittlicher deutscher Ingenieur ist sicherlich besser als ein durchschnittlicher amerikanischer. Trotzdem muss aus dieser Homogenität eine international anerkannte Elite geformt werden. Ebenso müssten private Initiativen gestärkt werden. Studiengebühren sind akzeptabel, wenn die Qualität der Ausbildung dies rechtfertigt. Ehemalige Studenten – die Alumnis – müssen gezielt eingebunden und als Finanziers und Sponsoren gewonnen werden. Warum kann ein neuer Hörsaal einer deutschen Universität nicht den Namen eines erfolgreichen Absolventen tragen?

6. Risikokapital steuerlich fördern

Investitionen in Startups sind besonders risikobehaftet. Eine steuerliche Förderung würde es privaten Investoren und Funds erleichtern, Kapitalausfälle zu verschmerzen. Dabei ist es nicht die Aufgabe des Staates, Startups zu fördern. Ein Unternehmer ist immer der „bessere Unternehmer“ und den sollte der Staat in seinem Handeln unterstützen und sich selbst aus der Finanzierung von Startups zurückziehen. Sorry, der INVEST-Zuschuss ist wirklich kompliziert und geht an der gelebten Realität vorbei. Warum muss die Wandlung beispielsweise denn unbedingt bereits nach 15 Monaten erfolgen? Investoren brauchen vielseitige, flexible Instrumente, die das hohe Risiko früher Investitionen belohnt und für den nötigen Anschub sorgt.

Hintergrund Vor ziemlich genau einem Jahr zog Dr. Gunther Wobser, Geschäftsführer des Herstellers von Temperiergeräten und -anlagen Lauda, mit seiner Familie ins Silicon Valley, um dort ein Innovation Lab zu gründen und die Vertriebsaktivitäten des Unternehmens auszuweiten.
Die Digitalisierung und damit einhergehende Innovationen haben für das Unternehmen Lauda "Top Priorität" und Wobser wollte im Silicon Valley von den Besten lernen. In Palo Alto bekam er einen anderen Blick auf seine eigene Arbeit, den deutschen Mittelstand und die Politik. Diese Umsetzungspunkte sind zuerst auf LinkedIn erschienen.

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