Suchen

Nokia Innovation Days 2019 5G: Was laut Netzbetreibern die Zukunft bringt

| Redakteur: Linda Bergmann

Über aktuelle 5G-Projekte und Technologien informierten die Nokia Innovation Days in Stuttgart. In privaten Campus-Netzen sehen viele das große Potenzial der Zukunft.

Firmen zum Thema

Dr. Wolfgang Hackenberg, Geschäftsführung Nokia, eröffnete an beiden Tagen die Vortragsreihe bei den Nokia Innovation Days in Stuttgart.
Dr. Wolfgang Hackenberg, Geschäftsführung Nokia, eröffnete an beiden Tagen die Vortragsreihe bei den Nokia Innovation Days in Stuttgart.
(Bild: Vogel Communications Group)

Rückblicke, Einblicke, Ausblicke – Die diesjährigen Nokia Innovation Days, die vom 25. bis 28. November in Stuttgart stattfanden, griffen sowohl Projekte als auch alle relevanten Themenfelder des letzten Jahres auf und gaben somit einen weiterführenden Überblick darüber, was sich in einem Jahr technologisch, infrastrukturell und politisch alles verändern kann. In Vorträgen kamen Mobilfunkhersteller, öffentliche Träger sowie Unternehmen zu Wort, um über Vorhaben, Status Quo und Zukunftspläne – unmittelbare und langfristige – zu sprechen. Der Show-Campus zeigte unterschiedliche Stationen von der technologischen Pieke auf bis zum fertigen Produkt, was heute in Sachen 5G bereits möglich ist. Wir haben uns an zwei Tagen für Sie umgeschaut.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 14 Bildern

Kooperation statt Separation – Die Zukunft liegt in der gemeinschaftlichen Erarbeitung von 5G-Lösungen

In der an die Show-Rooms angrenzenden Conference-Area, konnte der Besucher an zwei von vier Veranstaltungstagen mehrere aufeinander aufbauende Vorträge rund um die Thematik Öffentliche und Private Campus-Netze besuchen. Zu Wort kamen nach der Eröffnung durch den Sprecher der Geschäftsführung Nokia Deutschland Dr. Wolfgang Hackenberg, Gerhard Jeutter, Referatsleiter der BNetzA, ebenso Carolin Proft, Referentin für Digitalisierung und Innovation des BDI. Beide sprachen das große Potenzial vor allem der industriellen Nutzung des neuen Mobilfunkstandards zu, so würden Campus-Netze in der Zukunft immer entscheidender werden.

Um den Anschluss an die weltweite Konkurrenz im Rennen um den Einsatz von 5G in der Industrie nicht zu verpassen, bedürfe es einer entsprechenden Infrastruktur. Diese setze sich neben der zügigen Bearbeitung der Anträge für die Frequenzvergabe lokaler Netzwerke, auch aus der Sicherstellung, dass nicht nur Großunternehmen, sondern auch der Mittelstand Zugang zu Campus-Netzen erhielten, zusammen. Darüber hinaus gelte es, die Start-Up-Kultur in Deutschland noch weiter zu stärken sowie eine zügige und flächendeckende Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen, damit beispielsweise die Montage großer Antennen im Stadtbild und Umbaumaßnahmen in Folge der Glasfaserverlegung von der Bevölkerung verstanden und befürwortet würden.

Im Anschluss daran referierten Vorsitzende der vier mittelständischen bis großen Mobilfunkbetreiber M-Net, NetCologne sowie Vodafone und Telefónica über ihre aktuellen Projekte, wie zum Beispiel regionale Baumaßnahmen für den Ausbau eines Glasfaser-Netzes, welches im Gegensatz zu Kupferleitungen in der Lage ist, die Klima- und Qualitätsanforderungen der nahen Zukunft umzusetzen.

Die Zukunft liege in der kombinierten Verwendung von 4G und 5G, letzteres sollte durchdacht eingesetzt werden. Nicht überall macht der neue Standard wirklich Sinn, doch wo er gebraucht wird, sollte er auch verfügbar sein. Dabei sehen sich Telefonanbieter in der Rolle der „Infrastruktur-Hersteller“ (Gerald Huber). Mobilfunkstandard sei kein Luxusgut mehr wie früher, sondern ist mittlerweile ein Teil der Infrastruktur.

In einer Sache waren sich die Speaker dieses Tages einig: Der immer schnelle Fortschritt, der mit veränderten und erhöhten Anforderungen an Bandbreite, aber auch mit sich ständig wandelnden Kundenwünschen einher geht, wird es unabdingbar machen, dass Unternehmen (Telefonanbieter eingeschlossen) Kooperationen eingehen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Bei der Projektabwicklung ginge es weniger um Perfektion als um Flexibilität und Anpassungsfähigkeit Das Credo lautete hier: Kooperation statt Separation.

Konsumenten profitieren zuerst von 5G, das größere Potenzial liegt aber in Campus-Netzwerken

Am zweiten Vortragstag waren die Unternehmen an der Reihe, um über Private Campus-Netze und AI für Telekommunikationsnetze zu referieren.

Den Anfang machte hier Kathrin Buvac, Präsidentin von Nokia Enterprise & Chief Strategy Officer, mit einem Überblick über das Portfolio und die unternehmensstrukturelle Entwicklung der im Januar 2019 gegründeten Nokia Enterprise Business Group.

Weiter ging es mit einer Betrachtung des Status Quo zur Frequenzbereitstellung im Bereich 3,7-3,8 Ghz (erneut Gerhard Jeutter von der BNetzA) sowie dem Rollout des weltweit größten Reallabors auf dem Campus der Deutschen Messe in Hannover, repräsentiert durch Thomas Rilke, Geschäftsführer der Technology Academy, und Marcus Eibach, 5G Programm-Direktor.

Im Nachmittagsprogramm rückten konkrete Applikationen und Use-Cases von Campus-Netzwerke in den Fokus der Betrachtungen, so beispielsweise die Entwicklung bedarfsgerechter Lösungen für eine optimierte Produktion, der effiziente Einsatz von KI in der Produktion der Zukunft, ebenso wie konkrete 5G-Anwendungen und WLAN-Service für Enterprise und Carrier als festes Business. Die Referenten kamen aus den Vorständen der Deutschen Telekom, BASF, dem Fraunhofer IPA und natürlich dem Gastgeber Nokia.

Von der Technologie bis zum konkreten Use-Case: der Nokia Bell Labs Show-Room

Mit dem Ziel, jedem Endgerät eines geschlossenen Netzwerkes die bestmögliche Konnektivität ohne Unterbrechungen zu ermöglichen, wurde die Ende-zu-Ende-Lösung FastMile 5G Gateway beziehungsweise WiFi Beacons für 4G und 5G konzipiert. Die Endgeräte lassen sich via mobiler App leicht vom Anwender installieren und verbinden sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Devices. Durch die konzentrierte Übersicht über die Indoor-Vernetzung ist es Servicetechnikern zudem möglich, Endanwendern schneller und effizienter bei Supportanfragen zu beraten. Die Serviceleistung am Kunden kann so gesteigert werden.

Auch die Überbrückung von Distanzen in Kombination mit der Fernsteuerung verschiedener Aktionen wird durch 5G umsetzbar. In der Tactile Demo konnte der Besucher verschiedene Oberflächen mittels eines ferngesteuerten, mechanischen Arms befühlen, den er mittels einer Computermaus steuerte. Ein Bild des Geschehens wurde zeitgleich via VR-Headset übertragen. Diese Demo stellt sich den Herausforderungen der Sensor-Computation und ist in der Lage zwischen verschiedenen Arten der Wahrnehmung, in diesem Fall visuelle und taktile, zeitgleich und ohne Latenzzeiten zu synchronisieren. Mögliche Einsatzgebiete sind die Telemedizin oder auch ferngesteuerte Operationen.

Damit auch der Spaß auf den Innovation Days nicht zu kurz kam, sorgte eine 5G-Demo eines Tischtennis-Spiels, das in der ersten Runde mit 4G und für den direkten Vergleich im Anschluss mit 5G gespielt wurde. Bei mehreren Durchgängen fielen die reduzierten Latenzen deutlich auf. Es ist zu vermuten, dass der Einsatz von 5G im VR-Gaming-Bereich die Konsumenten-Erfahrung noch einmal ein ganzes Stück positiv beeinflussen wird.

Arena 2036 ebnet den Weg des Automobilbaus der Zukunft

Ebenfalls auf den Innovation Days vertreten war das Forschungsprojekt Arena 2036 – ein Akronym für Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles – das sich die Entwicklung einer nachhaltigen Industrie 4.0 sowie einen Technologiewandel, der individuelle Mobilität mit niedrigem Energieverbrauch realisiert, zur Aufgabe gemacht hat. Das Neuartige an diesem Kooperationsmodell ist die unmittelbare Zusammenarbeit öffentlich-privater Partnerschaften, in denen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit Experten und Entscheidungsträgern der Wirtschaft auf dem Campus zusammenarbeiten. Ihr gemeinsames Ziel ist die Entwicklung des Automobils der Zukunft und das bis zum Jahr 2036, dem 150-jährigen Jubiläum des Automobils.

Fazit: Mit vielen innovativen Projekten und vielversprechenden Lösungsansätzen gingen die Nokia Innovation Days 2019 zu Ende. Wer sich jetzt weiterführend mit der Materie Use-Cases für Industrie 4.0 durch 5G beschäftigen möchte, dem sei ein Besuch der Nokia 5G Factory of the Future in Oulu, Nordfinnland, ans Herz gelegt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46270080)