5G - Campusnetze 5G im IIoT: Deutsche Unternehmen sind gefragt

Autor / Redakteur: Olaf Riedel* / Stefan Guggenberger

5G ist der neue Goldstandard des Mobilfunks. Beim Ausbau des 5G-Netzes hängt Deutschland im Vergleich mit anderen Industrienationen aber zurück. Wie Unternehmen den Ausbau jetzt vorantreiben können.

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5G soll so schnell wie möglich flächendeckend verfügbar sein, doch noch bestehen viele 'weiße Flecken'. Trotzdem können Unternehmen mit eigenen Campusnetzen vom neuen Standard profitieren.
5G soll so schnell wie möglich flächendeckend verfügbar sein, doch noch bestehen viele 'weiße Flecken'. Trotzdem können Unternehmen mit eigenen Campusnetzen vom neuen Standard profitieren.
(Bild: gemeinfrei // Unsplash)

Der Status-Quo des deutschen 5G-Netzes ist mit Blick auf andere Nationen wie die USA oder China noch nicht zufriedenstellend, deshalb stellt sich die Frage, was Unternehmen umsetzen können, um den Anschluss nicht zu verpassen. Ein stärkerer Ausbau des 5G-Netzes ist für das Industrial Internet of Things (IIoT) unabdingbar, doch Unternehmen sind gut beraten, die Initiative zu ergreifen und durch Campus-Lösungen den ersten Schritt zu gehen.

Der neue Mobilfunkstandard 5G ist in Deutschland angekommen und gewinnt weiter an Bedeutung. Doch die größte Volkswirtschaft in Europa hängt bei ihrem flächendeckenden Ausbau des 5G-Netzes hinter Wettbewerbern teils weit hinterher. Für Industrieunternehmen ist es enorm wichtig, dass das 5G-Netz in Deutschland schnell verfügbar wird. Hauptursachen für die Verzögerung hierzulande waren einerseits der enorme Auktionspreis für die 5G-Lizenzen und die noch immer bestehenden Unsicherheiten bei der Netzwerkausrüster-Auswahl. Die Corona-Pandemie hat die Ausbreitung zwar auch gebremst, spielt aber nur eine untergeordnete Rolle. Immerhin sind Mobilfunkanbieter nun gewillt, schnell aufzuholen.

Ein gemeinsames Projekt von Telefonica, der Telekom und Vodafone stellt einen ersten Hoffnungsschimmer für die Vollendung des 4G-Netzes dar. Gemeinsam möchten die Konkurrenten insbesondere ‚weiße Flecken', also Orte, an denen es eine schlechte Netzabdeckung gibt, abdecken.

Corona-Pandemie: Kurzer Bremser – jetzt gedrücktes Gaspedal

Auch die Corona-Pandemie hatte kurzfristig Einfluss auf den Ausbau des 5G-Netzes, allerdings keinen allzu dramatischen. Da die Anbieter gewillt sind, nun richtig Gas zu geben, werden bald deutliche Aufholeffekte sichtbar werden. Auch politisch ist das Thema auf der Agenda, gemeinsam mit dem Glasfaserausbau ist 5G ein entscheidendes Element bei Zukunftsinvestitionen. Das ist auch wichtig, denn 5G wird für einige Jahre der Standard bleiben. Zwar weiß man aus der Vergangenheit, dass sich im Laufe der Zeit immer neue Standards ergeben, aber ein etwaiger ‚6G-Standard‘ ist bisher nur eine Idee – denn die Verständigung auf gemeinsame 5G-Standards und deren Verbreitung ist bei weitem nicht abgeschlossen.

Deutschland hängt zurück – China Vorreiter

Wirft man einen Blick in die Länder, die beim Thema 5G-Ausbau eine Führungsposition einnehmen – vor allem China – sieht man: Insbesondere im Bereich der internen Logistik setzen die Unternehmen auf vernetzte Lösungen mit Hilfe von 5G. In Deutschland hingegen gibt es erst einige Pilotprojekte, die den Goldstandard von morgen bereits heute einsetzen. Dabei ist es gar nicht notwendig, dass 5G bereits flächendeckend verfügbar ist, um etwa eine Fabrik zu vernetzen. Dafür gibt es sogenannte Campus-Lösungen, die 5G auf das entsprechende Gelände bringen können.

Was können deutsche Unternehmen tun, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Um den Anschluss nicht zu verlieren, sollten deutsche Unternehmen einen Blick über die Landesgrenzen werfen und 5G zügig zum Standard in ihrer Produktion machen. Campus-Netze sind ein sehr guter, gerade in Deutschland verfügbarer Ansatz, um sich das 5G-Netz in den Betrieb zu holen und von den zahlreichen Vorzügen zu profitieren. Für die moderne Fabrik, die effizient arbeitet, wird nur der 5G-Standard allen Anforderungen gerecht. Ein Beispiel ist die Factory 56 des Autoherstellers Daimler, bei der beispielsweise der Shop-floor durch AGVs bedient wird.

Für die Integration von 5G in der Produktion sind unter anderem folgende Schritte zu unternehmen:

  • Use-Cases für 5G definieren (z.B. produktionsübergreifende Steuerung, AGV, VR/AR, Automatisierung)
  • Enterprise Architektur für den 5G Einsatz anpassen (z.B. Edge Computing, Cloudifizierung, Datenarchitektur, Sensorik, Aktorik)
  • Schrittweise Umsetzung in Sprints planen, um bereits Teilerfolge nutzbar zu machen (z.B. Sensoren nutzen, Daten sammeln und auswerten, Predictive Maintenance)
  • Umsetzung auf weitere Unternehmensbereiche ausrollen

In der Fabrik der Zukunft könnten Produktions- und Steuerungsprozesse hochgradig automatisiert ablaufen. Logistische Prozesse – sowohl die Supply Chain im Unternehmen als auch die Prozesse mit Lieferanten und Kunden – können eng in einander greifen. Eine ausgefeilte Analytik in Echtzeit würde nicht nur für eine kosten- oder output-optimierte Produktion sorgen, sondern auch die notwendige Flexibilität in Produktion und Logistik bringen, um sich sehr kurzfristig auf Veränderungen in der Nachfrage anzupassen (d.h. Lieferfähigkeit, Anpassung am Produktsortiment, Verpackungen o.ä.).

Fazit: jetzt in die Konkurrenzfähigkeit von morgen investieren

Deutschland hat es verpasst, ganz früh beim 5G-Ausbau dabei zu sein. Die Corona-Pandemie tat ein Übriges und sorgte weiter für Verzögerungen. Doch der 5G-Zug hat hierzulande wieder an Fahrt aufgenommen. Um ihre internationale Konkurrenzfähigkeit sicherzustellen, müssen deutsche Unternehmen jetzt investieren und anfangen, 5G-Lösungen in ihre Produktion zu implementieren.

*Olaf Riedel ist Leiter des Sektors Technologie, Medien & Telekommunikation bei EY Deutschland, Schweiz, Österreich.

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