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Interview 3DDruck Verband

3D-Druck braucht Öffentlichkeit

| Autor: Jürgen Schreier, Lisa Marie Waschbusch

Der Vorsitzende des Verbands 3DDruck e.V., Dr. Justus Bobke, verrät im Interview, warum die additive Fertigung politische Lobbyarbeit braucht. Denn der 3D-Druck ist viel mehr als „nur“ eine spannende Technologie in Zeiten des digitalen Wandels, verändert er doch ganze Wertschöpfungsketten.

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Dr. Justus Bobke ist Vorsitzender des Verbands 3DDruck e.V. Der Verband möchte Sprachrohr aller Akteure in der Wertschöpfungskette additive Fertigung sein und ihnen die notwendige "Öffentlichkeit" verschaffen.
Dr. Justus Bobke ist Vorsitzender des Verbands 3DDruck e.V. Der Verband möchte Sprachrohr aller Akteure in der Wertschöpfungskette additive Fertigung sein und ihnen die notwendige "Öffentlichkeit" verschaffen.
( Bild: Verband 3DDruck )

Herr Dr. Bobke, von wem ging die Initiative zur Gründung des Verbands 3DDruck e.V. aus?

Gegründet wurde der Verband 3DDruck e.V. im April 2016. Es handelte sich damals im Prinzip um eine private Initiative. Wir sprechen manchmal davon, dass wir so etwas wie ein politisches Start-up sind. Die Personen, die den Verband damals gegründet haben, kennen sich seit Jahren gut und haben alle in irgendeiner Form zusammengearbeitet. Das war für uns wichtig, weil wir die Verbandsarbeit in der Anfangsphase – und in der befinden wir uns nach wie vor – ehrenamtlich machen. Man kann schlecht Menschen dazu motivieren, viel Zeit, Muße, Energie und Intelligenz zu investieren, wenn man nicht vorher diesen Charaktertest gemacht hat.

Verbände haben in der Regel eine politische Mission. Ist das beim Verband 3DDruck auch der Fall?

Das war ja der eigentliche Gründungsgrund. Ziel ist, dass eine Industrie, die viel Dynamik verspricht, überhaupt einen Stellenwert in der Öffentlichkeit und auf der politischen Bühne bekommt. Zielgruppe sind die Entscheider in der Politik. Nicht, dass wir das alles besser wüssten, aber die politischen Entscheider müssen „vorsortierte“ Informationen erhalten. Das ist Aufgabe der Lobbyarbeit und der Verbände.

Wie viele Mitglieder hat der Verband im Moment und wer kann Mitglied werden?

Wir haben aktuell zwischen 50 und 60 Mitglieder. Darunter sind auch Privatpersonen. Allerdings zielen wir vor allem auf mittelständische Unternehmen ab. Im Idealfall auf diejenigen, die groß genug sind, um tatsächlich als Investitions- und Innovationstreiber tätig zu sein, aber noch zu klein, um einen Repräsentanten in Berlin zu haben. Die ganz Großen können Lobbyarbeit auch ohne uns. Allerdings ist die Abgrenzung nicht vollkommen trennscharf. Wir haben als Mitglieder auch große Konzerne – jedoch meist nur die Abteilung, die sich mit 3D-Druck beschäftigt. Im Prinzip kann jedes Unternehmen Mitglied werden. Wir haben auch Fördermitglieder, um eine Brücke zu Institutionen wie Forschungseinrichtungen oder anderen Verbänden zu bauen, die satzungsrechtlich keine Vollmitglieder sein können.

Adressiert der Verband 3DDruck alle relevanten Akteure – also Druckerhersteller, Softwarehäuser, Dienstleister, Werkstoffanbieter – oder nur bestimmte?

Alle. Weil wir einen holistischen Ansatz haben, wollen wir die Wertschöpfungskette nicht zerlegen. Gerade darin besteht ja auch der Mehrwert der Verbandsmitgliedschaft, nämlich dass sich alle Akteure untereinander kennenlernen, dass Ingenieure oder Manager aus einem Luftfahrtunternehmen mit einem Arzt reden, ein Arzt mit einem 3D-Druckdienstleister und ein Philosoph mit einem Hersteller von Druckern. Das funktioniert ganz gut. Schließlich ist der 3D-Druck ja eine branchenübergreifende Technik.

Verbände sind oft Träger oder Partner von Events oder Messen. Macht oder plant der Verband 3DDruck Ähnliches?

Das machen wir schon. Wir sind Kooperationspartner der Messe Erfurt, dem Veranstalter der RapidTech. Allerdings ist der Verband 3DDruck noch zu klein, um das in Größenordnungen zu tun wie der VDMA. Aber in kleinen Portionen machen wir das schon und treten auch auf Messen auf. Die Messe Erfurt laden wir zu unserer Jahresveranstaltung, dem 3D KonzeptLab, ein, damit sie bei uns inhaltlich mitarbeiten kann. Das Additive Manufacturing Forum Berlin, das im März dieses Jahres mehr als 600 Konferenzteilnehmer aus den Branchen Automobil, Bahn, Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau, Medizintechnik und Wissenschaft nach Berlin lockte, ist ein ähnlicher Partner.

Wären neben dem 3D KonzeptLab auch weitere Eigenveranstaltungen denkbar?

Unser 3D KonzeptLab ist unsere größte und umfangreichste. Daneben haben wir ein kleines, sehr smartes Format, das 3DCafé. Das 3DCafé haben wir inzwischen zum vierten Mal im Deutschen Bundestag veranstaltet. Wir gehen mit diesem Format ganz bewusst nicht auf die Abgeordneten zu, sondern primär auf die Büroleiter und die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Abgeordneten. Im Schnitt kommen zum 3DCafé zwischen 30 oder 40 Personen ins Café des Bundestags, zum Beispiel einer aus dem Gesundheitsbereich, einer aus dem Finanzbereich, einer aus dem Bereich Verteidigung und so weiter, also aus den unterschiedlichsten Ressorts. Wir sitzen dann bei Kaffee und Kuchen in einer Ecke zusammen und erörtern aktuelle Fragen mit Bezug zum 3D-Druck oder zeigen Gewinner wie jüngst die der 3D Pioneer Challenge – übrigens auch einer unserer Kooperationspartner.

Was macht der Verband in Sachen Standardisierung und Normung?

Normung ist eines dieser fünf Themen – neben Bildung, Recht, Nachhaltigkeit und Forschung –, mit denen wir uns befassen. So wird beim nächsten 3D KonzeptLab der zuständige DIN-Mitarbeiter mit dabei sein und mit uns arbeiten. Er ist auch im Beirat des Verbands.

3D-Druck ist sicher eine interessante Technologie. Wo aber liegt ihre gesellschaftliche Relevanz?

Das ist eine gute Frage. Vermutlich wird der 3D-Druck Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt und das Arbeitsumfeld haben. Es ist ja typisch deutsch, dass bei vielen technischen Neuerungen zunächst Ängste um den Arbeitsplatz entstehen. Ich hoffe, dass das beim 3D-Druck anders bleibt und wir in dieser Technologie eher eine Chance als eine Gefahr sehen. Nicht weniger spannend ist das Thema Recht und Rechtssicherheit. Nehmen Sie zum Beispiel das Recht am eigenen Bild. Dieses geht im Prinzip bis auf Bismarck zurück, als Paparazzi ohne Erlaubnis sein Sterbebild veröffentlichten. Richtige Relevanz bekam das Thema jedoch erst mit dem berühmten Caroline-von-Monaco-Urteil. Denkt man diese Frage weiter, so kommt man irgendwann auf das Recht am eigenen Datensatz. Viele Prothesen werden heute additiv hergestellt – und das in sehr hoher Qualität. Das macht aber zahlreiche Untersuchungen erforderlich. Doch wem gehören die Daten, die bei diesen Untersuchungen entstehen? Dem Patienten, der Klinik oder dem Hersteller der Prothese? Ein weiterer Bereich, in dem der 3D-Druck zu erheblichen Umwälzungen führen dürfte, ist die Logistik. Was sollen Logistiker künftig transportieren, wenn die Produkte dort gefertigt werden, wo sie eingesetzt oder konsumiert werden? Wir haben zurzeit eine aufgeregte Debatte über den Freihandel. Der 3D-Druck kann dazu führen, dass einige etablierte Geschäftsmodelle – darunter auch der klassische Außenhandel – auf den Prüfstand kommen und sich dann spürbar verändern werden. Schließlich macht es der 3D-Druck leichter, Produkte dezentral direkt in den Zielmärkten zu fertigen. Über die Grenzen und an allen Zollschranken vorbei laufen dann nur noch die Datenströme. So gesehen ist die 3D-Industrie auch keine typische Industrie mehr.

Der Verband 3DDruck ist ein deutscher Verband. Müsste das Thema aber nicht eher auf europäischer Ebene gespielt werden?

Sicher. Wir haben von Anfang an Kontakt zu unseren Kollegen in Österreich und in der Schweiz und mit den Österreichern tauschen wir uns regelmäßig aus. Wir haben uns bewusst anders positioniert als andere Verbände, denn unsere Zielgruppe sind, wie ich erwähnt habe, die Mittelständler. Zwar sind viele mittelständische Unternehmen heute international tätig, doch ordnungspolitisch blicken sie eher nach Berlin als nach Brüssel. Gleichwohl haben wir das Thema Europa im Visier und schauen immer wieder nach Brüssel. Wenn wir die erforderliche Größe erreicht haben, werden wir den Schritt auf die europäische Bühne wagen.

Mehr zum 3DKonzeptLAB 2018

Zum dritten Mal lädt der Verband 3DDruck e.V. unter dem Motto „Networking, Positionen, EXPO“ ein zum 3DKonzeptLab nach Berlin. Die EXPO ist dieses Jahr neu. Neu ist auch der InnovationPitch. Bei diesem haben die Teilnehmer die Möglichkeit, in maximal fünf Minuten ihr Produkt und ihre Idee vorzustellen oder einfach Fragen an anwesende Experten zu richten. In Arbeitsgruppen (Recht, Bildung, Normung, Forschung und Nachhaltigkeit) sollen die besagten Positionen erörtert werden.

Die Dokumententation des KonzeptLabs 2017 ist auf der Website zu finden. Am ersten Veranstaltungstag findet im "Deutsche Bank – Quartier Zukunft (Quartier 110)" ein Abendempfang mit Würth Elektronik eiSos mit Getränken und Finger-Food statt. Das Grußwort spricht Staatssekretär Christian Rickerts, Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Das 3DKonzepLab wird am 4. und 5 Oktober im motionlab.Berlin veranstaltet. Unternehmen, die in der additiven Fertigung aktiv sind, können noch bis Ende September mit der Ticketbuchung eine ordentliche Mitgliedschaft erwerben und erhalten 50 Prozent Nachlass auf den Ticketpreis. Weitere Infos und Buchungen HIER!

Das Interview ist ursprünglich in Ausgabe 3 unseres Magazins "Next Industry" erschienen, das sich thematisch dem 3D-Druck bzw. der additiven Fertigung widmet. Weitere Infos unter https://next-industry.de/

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