Expertenbeitrag

 Harald Zapp

Harald Zapp

CEO & Founder, Next Big Thing AG

Trend-Dossier 2021 2021: Das Jahr der Machine Economy

Autor / Redakteur: Harald Zapp / Lea Täufer

In vielen Unternehmen werden Maschinen noch von Menschen bedient und auch instandgehalten. Dass Prozesse autonom miteinander kommunizieren und agieren, ist trotzdem keine ferne Zukunftsmusik. Welche Entwicklungen sonst im Jahr 2021 wichtig werden:

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Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
Die Entwicklung des Internet of Things ist und bleibt unaufhaltsam. Welche Trends stehen im Jahr 2021 an?
(Bild: pixabay)

Das Jahr 2020 hat die Virtualisierung von Geschäft und Gesellschaft in einem beispiellosen Tempo vorangetrieben. Dieser Digitalisierungsschub war für viele Industrieunternehmen dringend notwendig und sie sind nun gut beraten, das Momentum proaktiv zu nutzen. Denn der internationale Wettbewerbsdruck steigt und Kundenanforderungen werden dynamischer.

Die Digitalisierung physischer Prozesse ermöglicht dabei im B2B-Segment flexiblere und völlig neue Geschäftsmodelle. Die Mensch-zu-Mensch-Interaktion wurde um die Mensch-zu-Maschine-Interaktion ergänzt, der nächste Schritt sind völlig autonome Transaktionen zwischen Maschinen. Möglich macht dies die Verknüpfung neuer Technologien wie IoT, Blockchain und Künstliche Intelligenz – zur Machine Economy. 2021 werden uns daher diese Themen massiv beschäftigen:

Von CapEx zu OpEx: Investitionsausgaben senken

Immer mehr Industrieunternehmen gehen dazu über, ihre Geschäfte in Form von Subscription-Modellen abzuwickeln. Sie schaffen beispielsweise keine eigenen Maschinen und Anlagen mehr an, sondern mieten diese beim Hersteller gegen eine Gebühr für die Nutzung. Auf diese Weise reduzieren sie das Risiko des Wertverlustes ihrer alternden Anlagen und können sich zudem kostengünstig Zugang zu Innovationstechnologien verschaffen. Der Übergang von CapEx zu OpEx, also Investitionsausgaben für längerfristige Anlagegüter vs. Betriebsausgaben, der durch Pay-per-Use oder As-a-Service-Modelle ermöglicht wird, wird die Art und Weise wie Unternehmen wirtschaften und produzieren in diesem Jahr immens verändern.

Nach RPA: Das nächste Level der Automatisierung

Der erste Schritt in Richtung vollautomatisierter Prozesse war die Robotergesteuerte Prozessautomatisierung (RPA) – eine Softwaretechnologie, mit der standardisierte und repetitive digitale Prozesse automatisiert bearbeitet werden. Die Kombination von RPA mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz und Machine Learning hebt Automatisierung auf das nächste Level: Es werden nicht nur vordefinierte Aufgaben ausgeführt, sondern über KI-gesteuerte Entscheidungsfindung einzelne Prozessschritte analysiert, überwacht und beurteilt. Mit Hyperautomatisierung können so auch komplexe Geschäftsprozesse vollständig automatisiert und menschliche Fehler weitestgehend reduziert werden. Covid-19 hat den Bedarf nach solchen Lösungen noch einmal deutlich erhöht.

Digitale Zwillinge: Ein Muss für mehr Effektivität

Digitale Zwillinge sind virtuelle Abbilder von Maschinen, Prozessabläufen, Produkten und Systemen, der Produktion oder der Performance. Sie ermöglichen realitätsgetreue Testumgebungen, in denen Unternehmen die Effektivität von Maschinen und die Auswirkungen neuer Entwicklungen nachempfinden können. 2021 werden Gartner zufolge die Hälfte der größeren Industrieunternehmen Digitale Zwillinge einsetzen und damit ihre Effektivität um zehn Prozent steigern. Mit Digitalen Zwillingen können Unternehmen die Mehrwerte der eigenen IoT-Plattformen deutlich steigern.

Neue Technologien erhöhen die Angriffsfläche: IT Security wird hochgefahren

Für 2021 rechnen wir zudem mit erheblichen Fortschritten bei der vorausschauenden Analyse, der Fernüberwachung und den effizienten Ressourcenverwaltungsmechanismen innerhalb des Industriesektors. All dies erhöht auch die Angriffsflächen für Cyberkriminalität. Insofern spielt die Konzentration auf Daten und Sicherheitsmaßnahmen wie Endpoint Management und die Aufklärung zu IT-Security-Gefahren in Zukunft eine noch größere Rolle als zuvor. Unternehmen müssen jedoch nicht nur wissen, dass ihre Daten und die ihrer Kunden sicher sind – sie müssen auch wissen, ob diese Daten valide sind.

Digitale Identitäten: Neue Schutzmechanismen im IoT notwendig

Das bringt uns zu einem weiteren wichtigen Trend für 2021: Identity Management im Internet of Things. Bis 2025 werden laut Accenture mehr als 75 Mrd. Geräte mit dem Internet verbunden sein.

Wie auch autonom agierende Maschinen in der Machine (to Machine) Economy verfügen sie damit über eine digitale Identität. Je mehr Aufgaben und Ausprägungen diese Identitäten haben, desto vielfältiger werden die Sicherheitsrisiken. Schutzmechanismen, die sicherstellen, dass wir den Daten und Identitäten vertrauen können, werden für Unternehmen dann umso relevanter, um ihr Geschäft nicht zu gefährden.

Fazit

Technologische Innovationen wurden selten von real-gesellschaftlichen Entwicklungen so gefordert und gefördert wie es derzeit der Fall ist. Unternehmen, die sich trotz aller aktuellen Herausforderungen damit beschäftigen, ihr Geschäftsmodell weiterzuentwickeln oder gar neu zu denken, werden ihren Platz in der Machine Economy weiter festigen und diesen komplett neuen Wirtschaftszweig gewinnbringend für sich nutzen – weil sie dem Wettbewerb einen Schritt voraus sind und widerstandsfähige Geschäftsmodelle schaffen, die in jeder wirtschaftlichen Situation Bestand haben.

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