Cloud-Akzeptanz

Studie: So sieht’s aus mit Cloud, BYOD und WLAN in KMUs

| Autor: Dirk Paessler

Dirk Paessler präsentiert und interpretiert die Ergebnisse der Paessler Cloud-Studie aus dem Frühjahr 2017.
Dirk Paessler präsentiert und interpretiert die Ergebnisse der Paessler Cloud-Studie aus dem Frühjahr 2017. (Bild: Paessler/ Klaus Gruber)

Heutzutage kann man viel über die Zukunft der IT in der Cloud lesen. Der Trend, Applikationen und Daten in die Cloud zu verlagern, basiert nicht nur auf dem cleveren Marketing der drei großen Cloud-Anbieter Amazon, Google und Microsoft, er birgt tatsächlich nicht zu verachtende Vorteile in den Bereichen Kosten, Flexibilität, Verwaltbarkeit und Sicherheit speziell für Unternehmen.

Im Frühjahr 2017 hat Paessler IT-Administratoren hinsichtlich ihrer Einstellung zur bzw. Akzeptanz der Cloud im Allgemeinen befragt. Die Ergebnisse zeigen verglichen mit den zwei anderen kürzlich veröffentlichten Reports "State of The Cloud 2017" von RightScale und "The State of Cloud Adoption and Security" von Intel Security ein sehr differenziertes Bild.

Im Allgemeinen bezeichnet man Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern als KMU (engl. SMB). Das heißt, im Vergleich zu den anderen beiden genannten Studien, die eher größere Unternehmen adressieren basiert die Paessler Cloud Acceptance Study auf dem größten Datensatz hinsichtlich kleinerer Unternehmen (siehe Abbildung 1).

Aus den Ergebnissen aller drei Umfragen geht hervor, dass nahezu 70 Prozent der KMUs die Cloud bereits nutzen oder deren Einsatz kurzfristig planen. Paessler hat seine Umfrageteilnehmer nun bezüglich ihrer (geplanten) Nutzung von speziellen Cloud Services befragt (siehe Abbildung 3).

Die größte Akzeptanz für Cloud Services registriert Paessler in den Bereichen Web Hosting (80 %) und E-Mail (78 %), gefolgt von Office-Applikationen (74 %). Die Beliebtheit von virtuellen Maschinen in der Cloud liegt nur bei rund 55 %.

Abgesehen von den in der Cloud betriebenen VMs, werden die anderen Anwendungen bereits zu 55 bis 70 Prozent von den befragten Teilnehmern in der Cloud betrieben, oder deren Nutzung steht unmittelbar bevor. In den nächsten Jahren wird sich daher auch die Arbeit von Systemadministratoren in Unternehmen jeder Größe grundlegend ändern.

Die Absicht der Pasessler-Studie ist es nicht, zu erklären, warum sich die digitale Welt zunehmend in die Cloud verlagert. Es geht vielmehr darum aufzuzeigen, dass die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist bzw. vielerorts schon vollzogen wurde. Alle drei Studien sind sich einig, dass nicht nur Fortune-500-Unternehmen den Weg in die Cloud gehen, sondern dass auch KMUs bereits auf diesem Weg sind. Es zeichnet sich sogar ab, dass die Cloud-Akzeptanz in KMUs sogar deutlicher schneller ansteigt als in großen Unternehmen.

Fast alle Unternehmen nutzen hybride Clouds

Die Cloud wird vieles beeinflussen, was wir unter „Internet“ oder „Netzwerke“ einordnen (für uns Konsumenten ist das bereits der Fall, denn unser Smartphone ist ohne die Cloud ein ziemlich nutzloses Gerät). Natürlich wissen Admins, die ein Local Area Network mit Switches, Kupferdrähten und Datenbanken zu verwalten haben, dass ein wesentlicher Anteil ihrer Arbeit inklusive vieler Hardware-Komponenten so schnell nicht in die Cloud verlagert werden kann. Wir können uns daher auf einen Mix zwischen Public und Private Cloud-Anwendungen einstellen: Willkommen in der hybriden Cloud, in der einige Daten On-Premises (oder im eigenen Rechenzentrum) und andere wiederum nur in der Cloud verfügbar sein werden.

In diesem Zusammenhang nutzen wir die umfassende Definition der Cloud, die alles beinhaltet, was nicht On-Premises oder im eigenen Data Center läuft. Falls eine Applikation, ein Service oder das Storage-Umfeld, auf die Sie per Internet zugreifen können, Hardware-basiert und ohne eigene Verwaltung betrieben wird, rechnen wir diese Anwendungen ebenfalls der Cloud zu (PaaS oder IaaS aus der Public oder Private Cloud) – und dies vor allem dann, wenn Sie die entsprechende Applikation oder das Betriebssystem nicht selbst verwalten müssen (Software-as-a-Service). Daraus folgend ist eine Hybrid Cloud für mich eine Art IT-Setup, die Arbeitsschritte und Services in der Cloud (= Public Cloud) sowie in einem On-Premises-Netzwerk (= Private Cloud) verwendet – quasi als Misch-Netzwerk.

Wahrscheinlich nutzt auch Ihr Unternehmen die Cloud bereits

Vielleicht nutzen Sie noch nicht die Cloud-Services von Amazon oder Microsoft, doch heutzutage verwendet jeder Internet-User in irgendeiner Art und Weise bereits einen Cloud-Service. Alle Mobiltelefone beispielsweise kommunizieren permanent mit der Cloud. In vielen Abteilungen ist die Verwendung von Diensten wie Dropbox, Salesforce, Office 365 oder Google Apps obligatorisch.

Die Nutzung der drei großen Cloud-Anbieter im KMU-Umfeld.
Die Nutzung der drei großen Cloud-Anbieter im KMU-Umfeld. (Bild: Paessler)

Mittlerweile sind auch so genannte Cutting Edge Applikationen (Big Data, AI, etc.) nicht mehr ausschließlich On-Premises verfügbar. Angeboten werden vielmehr SaaS-Versionen, die die Cloud-Nutzung weiter fördern. Wir haben die Teilnehmer unserer Studie zu ihrer Nutzung der drei großen Cloud-Anbieter befragt – siehe Abbildung links (mit Klick vergrößern).

Einige Administratoren würden die Cloud als Teil der „Shadow IT“ einordnen (z.B. buchen Abteilungen SaaS-Services häufig, ohne die IT zu fragen), und sie würden entsprechende Dienste gerne kündigen, was sie aber nicht können, da diese Cloud-Services bereits ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Geschäftsablaufes in ihrem Unternehmen geworden sind. In einer Studie fand der Cloud Security-Anbieter CipherCloud heraus, dass 86 Prozent der genutzten Cloud-Applikationen unbestätigt sind. Also: verwerfen Sie Ihre „No-Cloud“-Policy (falls es sie gibt), erfassen Sie Ihre Shadow IT und ziehen Sie eine "Hybrid Cloud" in Betracht!

So genannte „No-Cloud“ Policies werden in naher Zukunft genauso selten sein wie „No-Internet“-Standpunkte. Die durchschnittliche Firmen-IT hat effektiv die Kontrolle über die Vielzahl an vorhandenen Applikationen verloren, weil die einzelnen Abteilungen häufig der Meinung sind: „Ich kann mir im Internet innerhalb weniger Minuten eine Anwendung, die ich brauche, herunterladen und nutzen; also warum erst unseren Administrator dafür heranziehen?“

Ich denke nicht, dass dies der richtige Weg ist! Die meisten Nutzer sind schlicht unerfahren, was die damit einhergehenden Sicherheitsrisiken oder organisatorischen Nebeneffekte betrifft. Um dieser Herausforderung zu begegnen, besteht in jedem Unternehmen eine sowohl erzieherische wie auch organisatorische Aufgabe darin, Mitarbeiter hinsichtlich diese Problematik zu sensibilisieren und dennoch Cloud-Dienste wo immer möglich kontrolliert zugänglich zu machen. In vielen Unternehmen gibt es diesbezüglich bspw. eine Art Katalog von freigegebenen und somit frei nutzbaren Cloud Services, der permanent erweitert wird.

Problemzone: Bring your own Device

Bring your own Device, kurz BYOD, ist der „Sidekick“ einer jeden Cloud: Wer braucht schon kupferbasierendes Ethernet, wenn jeder Cloud-Anwendungen auch drahtlos nutzen kann?

Sobald die meisten täglich zu nutzenden Anwendungen in die Cloud verlagert werden, können sie in der Regel auch per WLAN über das Smartphone oder den Laptop genutzt werden. Auch Security- und Zugangskontroll-Tools werden in die Cloud verlagert. Einige Applikationen benötigen so viel Bandbreite, dass sie in einem modernen 802.11 Wireless LAN nicht zur Verfügung stehen. Aber solange Sie nicht mit 4k-Videos hantieren oder täglich eine Vielzahl an 40-Megapixel-Fotos bearbeiten müssen, dürften Sie mit Ihrem WLAN glücklich werden. Niemand braucht mehr ein Ethernet-basierendes LAN für E-Mails, Office-Anwendungen oder ein CRM.

Microsoft zeigt uns die Zukunft von WLAN und BYOD

Folglich hat Microsoft im vergangenen August bekanntgegeben, auf 660 Uni-Campus in den nächsten 24 Monaten kupferbasierende Leitungen gegen WLAN-Systeme auszutauschen. „Unsere User nutzen nicht mehr nur eine simple Workstation an ihrem Schreibtisch; sie arbeiten auch mobil per Smartphone, Tablet und Laptop oder eben am Desktop Computer“, erklärte David Lef, Principal Network Architect bei Microsoft IT, in den Q&A auf dem Microsoft Azure Blog. „Die IT hat sich zu einem Geräte-Ecosystem entwickelt, weg von einzelnen Productivity Devices. Und die meisten dieser Geräte bevorzugen WLAN. Einige verwenden sogar ausschließlich WLAN“.

Microsoft rechnet damit, dass der Prozess von der verkabelten hin zur kabellosen „BYOD-first/WiFi-first“-Infrastruktur eine Reduzierung des Netzwerkequipments in Unternehmen von rund 50 Prozent zur Folge haben wird. Natürlich werden kupferbasierende (kabelgebundene) Verbindungen nicht gänzlich verschwinden, z.B. in Laboren, Rechenzentren oder speziellen Büroeinrichtungen. Aber letztlich ist zu erwarten, dass 90 Prozent der Endnutzer-Netzwerk-Infrastrukturen ihre Datenpakete kabellos versenden werden. Damit einher geht schließlich auch die Aufgabe, 90 Prozent der internen IT in die Azure Cloud zu verlagern. Microsofts IT-Team plant dies bis Juli 2017, verbunden mit einem 31 prozentigen Anstieg in der Auslastung bei Azure von derzeit 20.000 virtuellen Maschinen, 110.000 Cores und 1.500 Azure-basierenden Anwendungen.

Wann geht Ihr Unternehmen den Schritt in die Cloud und hin zu WLAN?
Wann geht Ihr Unternehmen den Schritt in die Cloud und hin zu WLAN? (Bild: Paessler)

Wir haben in unserer Studie gefragt: „Einige Analysten beschreiben die Zukunft des Office Computing so, dass in einigen Jahren WLAN die meistgenutzte Zugriffsmethode für Netzwerke sein wird. Dagegen werden kupferbasierende Ethernet-Netzwerke immer rarer (oder eben vollständig durch WLAN ersetzt). Mitarbeiter, die anhand ihrer Mobilgeräte das BYOD-Angebot nutzen, werden eher WLAN-Applikationen verwenden als entsprechende On-Premises- oder File-Storage-Applikationen. Microsoft beispielsweise hat bereits Hunderte Uni-Campus in WLAN-Umgebungen umgewandelt und 90 Prozent der On-Premises Computing- bzw. Storage-Kapazitäten in die Cloud verlagert. Wann geht Ihr Unternehmen diesen Schritt?“ Die Ergebnisse zeigt die Grafik links (mit Klick vergrößern).

Nur 16 Prozent der Befragten bezweifeln demnach, dass die Cloud ihre Zukunft ist, der Rest dagegen glaubt fest daran. 59 Prozent der Befragten erwarten sogar, dass ihr Unternehmen innerhalb der nächsten 36 Monate den Cloud-Weg beschreiten wird.

Das Beispiel im eigenen Haus

Wir von Paessler sind im April 2017 in ein neues Gebäude gezogen und haben ein duales Netzwerk implementiert: ein kabelgebundenes und ein WLAN-Netzwerk in einem Gebäude mit 180 Mitarbeitern. Die meisten meiner Kollegen benutzen stationäre PCs, aber immer mehr schwören auf das Arbeiten mit iPads, Surface Tablets und MacBooks, die allesamt in unserem WLAN-Netzwerk angeschlossen sind. Sie nutzen ihre Geräte in Meetings, in unseren Quiet-Working-Räumen und natürlich an ihrem Schreibtisch. Und alle meine Kollegen haben ein Smartphone, auf dem sie stets erreichbar sind. Auch diese Geräte sind allesamt ans WLAN angeschlossen. Wir haben sogar einen Access Point in unserem Biergarten installiert, falls die Meetings im Sommer auch mal draußen stattfinden.

Wir sind der Meinung, dass uns dieser Fortschritt im täglichen Arbeiten hilft; Kollegen arbeiten in Projekten effizienter zusammen und bewegen sich dabei mehr innerhalb unseres Gebäudes, ohne ihre Geräte stets neu anschließen zu müssen. Resultat: sowohl die Kommunikation als auch die Ergebnisse verbessern sich.

BYOD + Cloud = Zukunft

In den kommenden Jahren wird das Zusammenspiel der beiden Trends BYOD und Cloud die Arbeit und die Arbeitsumgebung der Systemadministratoren in der ganzen Welt dramatisch verändern. Je nach Nutzungsrate und Art der verwendeten Applikationen vollzieht sich dieser Prozess in den einzelnen Industrien bzw. Unternehmen unterschiedlich schnell. Auch wird es eine kleine Gruppe an Anwendungen geben, die sich aus diversen Gründen nicht in die Cloud verlagern lässt.

Dennoch denke ich, dass sich dieser Prozess nicht aufhalten lässt und alle Organisationen und Unternehmen in naher Zukunft betreffen wird. IT-Administratoren sind gefordert, entsprechendes Know-how zu erlangen – auch in den Bereichen Security und Ausfallsicherheit.

Dirk Paessler.
Dirk Paessler. (Bild: Paessler/ Klaus Gruber)

Bei Paessler haben wir seit einigen Jahren eine „Cloud first Policy”. Der ursprüngliche Grund dafür war, dass wir als Anbieter im Bereich Infrastruktur die Cloud so früh wie möglich kennen und nutzen sollten, damit wir unsere Services entsprechend früh anpassen und unsere Produkte auf die Cloud zuschneiden können. Wir wollten gewappnet sein, wenn unsere Kunden ihren Bedarf an der Cloud erkennen und einfordern. Mittlerweile haben wir uns eine große Wissensbasis angeeignet, die uns befähigt, täglich in den unterschiedlichsten Bereichen der Cloud zu arbeiten. Was wir jetzt schon sagen können: Es war die Mühe wert.

Über den Autor

Dir Paessler ist Gründer, CEO und Vorstand der Paessler AG.

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