Zwei Seiten der Medaille

Kommunikationsfähiges Kühlgerät sorgt für I40-Diskussionen

| Autor / Redakteur: Birgit Lutzer / Julia Moßner

Die Digitalisierung ist für ein Unternehmen Fluch und Segen zugleich. Um die Vorteile zu nutzen, müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Die Digitalisierung ist für ein Unternehmen Fluch und Segen zugleich. Um die Vorteile zu nutzen, müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. (Bild: REFA)

Digitalisierungs-Lösungen bringen viele Vorteile für Firmen. Doch 4.0 ist trotzdem eine Medaille mit zwei Seiten. Über die sprachen Jan Möbius, Geschäftsführer der Pfannenberg GmbH sowie Martin Lott und Gunnar Grimm vom Weiterbildungs-Verband REFA Nordwest. Und zwar am Beispiel eines kommunikationsfähigen Schaltschrank-Kühlgerätes.

Die Schaltschrank-Kühlgeräte der eCool X-Serie aus dem Hause Pfannenberg gehören zu den vielen 4.0-Technologien, die für Veränderungs-Wirbel in Unternehmen sorgen. Das System kann in die Automatisierungsprozesse des Anwenders eingebunden werden und per Cloud Informationen mit ihm austauschen.

Möbius (Bild) erläutert: „Die Betreiber können live und ortsunabhängig nützliche Geräteparameter über einen Webbrowser abrufen.“ Dadurch wird beispielsweise transparent, wann dringende Instandhaltungsarbeiten erforderlich sind. Möbius: „Vieles wird dann auch per Fernwartung gelöst.“

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Zentrales Informations-Instrument ist ein Dashbord, das orts- und zeitunabhängig per Webbrowser abgerufen werden kann. Um die übermittelten Informationen zu verstehen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, ist auf der einen Seite große Fachkompetenz gefragt. Auf der anderen Seite werden Prozesse vereinfacht. Möbius: „Durch die Datentransparenz und die Möglichkeit der Ferndiagnose erleichtert das neue System die Geräteüberwachung und reduziert den Wartungsaufwand.“

Auch Martin Lott, Geschäftsführer des REFA Nordwest-Regionalverbands Schleswig-Holstein, beobachtet bei seinen Kunden ähnliche Phänomene: „Bei wiederkehrenden Abläufen in Produktion, Beschaffung und Vertrieb trägt die Digitalisierung zu Effizienzgewinnen bei.“ Lösungen wie die „intelligenten“ Kühlsysteme von Pfannenberg beurteilt er positiv: „Diese Art von Digitalisierung erleichtert, entsprechend gestaltet und geregelt, die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Freizeit. Die Beschäftigten können sich besser auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Ständige Fahrten zum Anwender entfielen weitgehend durch die Fernwartungs-Option.“

Nur teilweise herrscht 4.0-Euphorie

Und er sieht weitere, über das Pfannenberg-Anwendungsbeispiel hinausgehende Optionen. Dazu gehöre etwa die Möglichkeit, über Crowdworking-Plattformen schneller auf externes Know-how zuzugreifen sowie dieses einkaufen zu können. Natürlich habe die Digitalisierung auch Auswirkungen auf die Arbeitssysteme: „Auf Basis klar geregelter Rahmenbedingungen, lässt sich dadurch eine flexible und agile Arbeitsorganisation besser realisieren. Das gleiche gilt für die Aktivitäten virtueller Teams und die Einrichtung dezentraler Entscheidungsstrukturen“ Das sind fraglos enorm große Vorteile. Doch dennoch gibt es bei allem 4.0-Applaus auch Skepsis.

Digitalisierte Lösungen immer besser als der Schraubenzieher?

Jan Möbius kann beide Seiten verstehen. „Die Digitalisierung ist für ein Unternehmen Fluch und Segen zugleich. Sie erfordert eine Umstrukturierung aller Prozesse und stellt manchmal alles auf den Kopf.“ Er fügt hinzu: „Klar, dass da nicht jeder begeistert `Hurra´ schreit.“ Die Annahme, nach Einrichtung einer neuen Technologie laufe alles von allein und wie geschmiert, ist seiner Ansicht ebenso weit verbreitet wie falsch. „Um die Vorteile zu nutzen, sind erhebliche Anstrengungen zu leisten. Für die müssen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden“, sagt Möbius.

Neue Qualifikationen sind am 4.0-Arbeitsmarkt gefordert

Gunnar Grimm, Vorsitzender des REFA Nordwest-Bezirksverbands Hamburg, ergänzt: „Die Anforderungen an die Arbeitskräfte steigen. Industrie 4.0 definiert die klassische Facharbeiter-Kompetenz neu.“ Es würden Qualifizierungen benötigt, die die Beschäftigten befähigten, komplexe, schwer automatisierbare Aufgaben neu zu übernehmen. Grimm: „Genau diesen Punkt berücksichtigen wir in Weiterbildungen etwa zum Industrial Engineer.“ Jan Möbius bestätigt: „Neben dem Handwerkzeug der Digitalisierung wie z. B. Kenntnisse von Software, Sensorik, Big Data wird auch die Anforderung steigen, das geforderte Gesamtbild zu verstehen. Und diese Kompetenz stärkt zum Beispiel eine REFA-Weiterbildung.“

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Dr. Birgit Lutzer, Technisches Marketing | Redaktion und Text | Content-Management, Steinhagen

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