Arbeitslos? Geistlos? Lustlos?

Industrie 4.0 - ein Worst-Case-Szenario

| Autor / Redakteur: Thomas Menholz / Frauke Finus

Thomas Menholz ist Teilhaber und Sales Director bei der 3D Concepts GmbH. Die 3D Concepts GmbH bietet CAD/CAM-Lösungen sowie MRP/MES-Systeme (Manufacturing Resource Planning + Machine Execution Systeme) für die Anbindung zu ERP-Lösungen an.
Thomas Menholz ist Teilhaber und Sales Director bei der 3D Concepts GmbH. Die 3D Concepts GmbH bietet CAD/CAM-Lösungen sowie MRP/MES-Systeme (Manufacturing Resource Planning + Machine Execution Systeme) für die Anbindung zu ERP-Lösungen an. (Bild: 3D Concepts)

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Thomas Menholz ist Teilhaber und Sales Director bei der 3D Concepts GmbH. In diesem Gastkommentar setzt er sich kritisch mit Industrie 4.0 auseinander. Der Artikel soll aber nicht pessimistisch interpretiert werden sondern, Denkanstöße zu Arbeit 4.0, Ethik 4.0, Umwelt 4.0 und Gesellschaft 4.0 geben.

Vor einigen Jahren habe ich einen Film gesehen, ich weiß nicht mehr wie er hieß, in dem Menschen in einem Raumschiff nur noch von Maschinen und Computer-Systemen geführt wurden. Das heißt die Menschen arbeiteten nicht, wurden automatisch ernährt, mit schnöder Unterhaltung weichgespült und künstlich fortgepflanzt. Die Folge war das die Gehirne verkümmerten während sich die Körper der Situation anpassten. Das Gewicht nahm zu und da es keinen Anlass zum Gehen mehr gab, verkümmerten die Beine.

Bemerkenswert war, dass sich die Menschen gewollt in diese Situation geführt hatten. Das Raumschiff war nämlich die „Arche“ mit der die Menschheit eine zerstörte Erde verließ, um eine neue zu finden. Ihr Schicksal überließen sie dabei der künstlichen Intelligenz der Maschinen.

Maßgebliche Themen der Industrie 4.0

Sie fragen Sich nun, was dieser Vorspann mit der obigen Überschrift zu tun hat. Nun ja, seit einiger Zeit beschäftige ich mich, berufsbedingt und aus Eigeninteresse, mit der 4. Industriellen Revolution. Im Detail mit Themen wie Automatisierung, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, lernende Maschinen, Robotern, vorausschauende Analytik, virtueller und gemischter Realität. Dabei überlege ich mir, wie sich denn das Leben in - sagen wir mal in 30 Jahren - darstellen wird. Sicher ist die extreme Darstellung des Science-Fiction-Films dafür unrealistisch, jedoch in Ansätzen dennoch möglich.

Setzen wir dazu doch folgende Zukunftsthesen einmal voraus, die maßgebliche Themen der Industrie 4.0 aufgreifen:

  • Jeder Prozess der digitalisiert werden kann, wird digitalisiert.
  • Jeder Job, der durch einen Roboter ersetzt werden kann, wird ersetzt.
  • Alles was digital verbunden werden kann, wird verbunden.
  • Alles was automatisiert werden kann, wird automatisiert.
  • Alles was in digitalen Daten erfasst werden kann, wird erfasst.
  • Künstliche Intelligenz wird zum Standard, um Entscheidungen zu Treffen.
  • Maschinen sind untereinander vernetzt und wissen, was als nächstes zu tun ist.
  • „Augmented Reality“ wird zum Standard bei Arbeitsabläufen. D.h. der Arbeiter wird geführt.
  • Produkte werden mit RFID-Chips ausgestattet sein und führen sich selbst durch die Produktion.
  • Maschinen warten sich selbst mit „Predictive Maintenance“.
  • Cloud-Speicher ersetzen komplett klassische IT-Strukturen.
  • „Virtual Reality“ wird Standard in der Produktentwicklung („Digital Twin“ ).
  • Der Materialfluss wird mittels „Autonomous Vehicles“ gesteuert.
  • „Machine Monitoring“-Systeme werden die Produktivität in Echtzeit überprüfen.
  • Unternehmen werden dezentral und weltweit produzieren.
  • Produkte werden ortsunabhängig „gedruckt“ = 3D Printing.

All das wird so kommen oder ist in Teilaspekten heute schon Wirklichkeit. Hierbei werden neue Berufsbilder geschaffen, aber auch Berufe wie bei den zurückliegenden Industrialisierungsschritten verschwinden. Kurzum, viele Jobs werden nicht mehr benötigt. Und das in allen Branchen sowie weltweit.

Laut einer Uno-Prognose werden 2050 etwa 9,2 Mrd. Menschen auf der Welt leben – 1,8 Mrd. mehr als heute. Diese Menschen werden zudem eine signifikant höhere Lebenserwartung haben, weil natürlich das Gesundheitswesen ebenfalls von den Fortschritten der Industrie 4.0 profitieren wird.

Das Erwachen der künstlichen Intelligenz

Cognitive Computing

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13.03.17 - Industrie 4.0 beschäftigt die Industrie schon seit Jahren. Cloud Computing und Big-Data-Analysen sind in vielen Unternehmen etablierte Stützpfeiler der Digitalisierung. In letzter Zeit macht allerdings ein neuer, hochspannender Aspekt von Industrie 4.0 von sich reden, der bisher eher als Zukunftsmusik abgetan wurde: Die künstliche Intelligenz. lesen

Mit Virtual Reality zur Unsterblichkeit

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Wärtsilä und DHL erproben autonome Mobil-Roboter

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12.07.17 - Wärtsilä und DHL haben ein gemeinsames Pilotprojekt zur Erprobung mobiler Roboter von Fetch Robotics abgeschlossen. Durchgeführt wurde das Pilotprojekt im Ersatzteil-Zentrallager von Wärtsilä im niederländischen Kampen. DHL ist als Partner von Wärtsilä für den Betrieb des Lagers verantwortlich. lesen

Minority Report 4.0: Verbrechen erkennen, bevor sie begangen werden

Lassen wir einmal alle anderen Probleme die diese Entwicklung mit sich bringt, beiseite und konzentrieren uns lediglich auf den Jobaspekt. Es wird nur noch Arbeit für Menschen geben, die, gemessen an Ihrem Ausbildungsniveau, sogenannte „High Skills“ mit sich bringen. Zudem werden die passenden Jobangebote dazu rar sein. Deutschland hat heute bei ca. 82 Mio. Einwohnern 2,7 Mio. Arbeitslose. Prognostizieren wir einmal, durch die vorab dargestellte Entwicklung, ein Worst-Case-Szenario mit 50% an nicht arbeitenden Einwohnern, so kommen wir, die Uno-Prognose adaptierend, auf 50 Mio. Betroffene.

Was machen den diese 50 Mio. dann den ganzen Tag? Beziehungsweise wie gestaltet sich deren Lebensunterhalt und Lebensinhalt? Spätestens jetzt kommt der Aspekt eines Grundeinkommens auf das Tableau. Für die Finanzierung gibt es dann eine Robotersteuer. Gut, das heißt, die arbeitende Hälfte der Bevölkerung sowie die Roboter bezahlen also für die Existenz der nicht arbeitende Hälfte. Insofern sind also Unterkunft und Ernährung sichergestellt.

Ausgeschlossen sind diese Menschen aber von den vielen tollen Produkten, die die Industrie 4.0 herstellt, weil sie sich diese nicht leisten können. Das weckt Begehren und die Beschaffungskriminalität wird steigen. Aber halt! Wir haben ja dann die vorauschauende Analytik, die Verbrechen schon erkennt, bevor sie begangen werden. Denken Sie an den Sci-Fi-Film „Minority Report“ von Steven Spielberg. Viele Menschen sitzen also schon im Knast, weil sie ja latente Verbrecher sind.

Wie sieht Arbeit 4.0 aus (wenn es noch Arbeit gibt)?

Wie wird aber Arbeit 4.0 in diesem Szenario aussehen? Auch hierzu einige Zukunftsthesen:

  • Die Landwirtschaft respektive die komplette Foodindustrie wird vollautomatisiert und GPS-gesteuert sein. Lebensmittel werden in dieser Kette in Folge auch automatisch hergestellt.
  • In Smart Homes füllen sich der Kühlschrank und die Speisekammer bei Bedarf selbständig nach. Wir nehmen nur noch die Ware an der Haustür von autonomen Drohnen entgegen.
  • Häuser werden in Modulen automatisch vorgefertigt und vor Ort von intelligent geführten Robotern „montiert“.
  • Produkte werden menschenlos produziert und anhand künstlicher Intelligenz weiter entwickelt.
  • Neue Ideen für Produkte werden von neuronalen Netzwerken entwickelt und gleichzeitig auch auf Absatz- und Profitchancen hin analysiert. Der Mensch muss also nur noch auf "Start" drücken - wenn überhaupt.
  • Ein Produkt kann überall auf der Welt einfach auf 3D-Druckern just in time ausgedruckt werden.
  • Eine Lagerhaltung ist nicht mehr notwendig, also entfällt auch weitestgehend die Transport-Logistik - sprich: Lastwagen, Züge, Schiffe….
  • Im Gesundheitssektor werden Diagnosen von stetig dazu lernenden Maschinen gestellt. Operationen werden von OP-Robotern in einer Exaktheit durchgeführt, die kein Mensch vollbringen kann.
  • Unternehmensentscheidungen werden in der Cloud auf Basis künstlicher Intelligenz getroffen.
  • Verkäufer werden nicht mehr benötigt, weil wir unsere Kaufentscheidungen in der virtuellen Realität treffen und dort auch von sogenannten „Chatbots“ beraten werden.
  • Wenn doch noch ein Mensch gebraucht wird, um einfache Tätigkeiten auszuführen, wird er die abzuarbeitenden Arbeitsschritte direkt als Anweisung ins Auge projiziert bekommen („Augmented Reality“). Das heißt, ein Erlernen von Fähigkeiten ist nicht mehr notwendig.
  • Im Finanzsektor sind ebenfalls keine Menschen mehr notwendig, weil alle Abläufe digitalisiert sind. Heute haben wir hier ja schon zum Beispiel den Auswuchs des Hochfrequenz-Handels.
  • Autonome Autos, Flugzeuge, Schiffe sind Standard. Wir steigen also nur noch ein, geben ein Ziel ein, den Rest erledigt das Vehikel selbst.

Die Liste könnte phantasievoll fortgeführt werden. Der Mensch in der Arbeit 4.0 hat also bestenfalls noch eine Überwachungsfunktion die, zeitlich und räumlich ungebunden ausgeführt werden kann. Wir werden vielleicht nur noch 40 Stunden arbeiten, zumindest der arbeitende Anteil der Bevölkerung. Und das wohl bemerkt im Monat.

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29.07.17 - Aktuell verändert Industrie 4.0 unsere Arbeitswelt. Roboter übernehmen Routinearbeiten und sind vernetzt. Trotzdem: Das Fachwissen der Menschen ist mehr denn je gefragt – auch in Zukunft. lesen

Was bleibt? Ein großer Anteil an Freizeit. Aber wir haben ja noch Kunst, Kultur, Sport, Reisen, Hobbys und sonstige Freizeitvergnügen, sofern eine Affinität dazu besteht. Aber irgendwann ist auch diesbezüglich alles ausgekostet. Es bleibt also; Langeweile. Und wenn es dem Menschen langweilig ist, flüchtet er in Scheinwelten, Drogen oder schnöde Unterhaltung. Verkümmert also der Intellekt, werden wir zu „Couch-Potatoes“, mutieren unsere Körper...?

Aspekte wie Arbeit 4.0, Ethik 4.0, Umwelt 4.0 und Gesellschaft 4.0 müssen beachtet werden

Natürlich habe ich bewusst übertrieben und überspannt. Ich bin ein genereller Optimist. Der Homo Sapiens hat 200.000 Jahre überlebt und auch, in einer zugegeben kurzen Zeitspanne, drei industrielle Revolutionen. Wir werden auch die vierte überleben. Jede industrielle Revolution hat dabei zu mehr Wohlstand, Gesundheit und ausgewogener Work-Life-Balance geführt. Industrie 4.0 wird alles exponentiell auf ein weiteres Level heben. Was wir aber nicht vergessen sollten ist, die Menschen auf dieser Reise mitzunehmen. Ich weiß, auch das ist in der Zwischenzeit eine abgedroschene Phrase geworden. Dennoch oder gerade darum sollten wir heute schon über den technischen Aspekt hinausschauen und uns mit Arbeit 4.0, Ethik 4.0, Umwelt 4.0 und Gesellschaft 4.0 beschäftigen. Es sind also Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Kultur, Philosophie und Regierung gefragt über den Tellerrand hinaus zu schauen und zu denken.

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partnerportal MaschinenMarkt erschienen.

Die Digitalisierung kippt nicht!

Reality Check 4.0

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17.07.17 - Digitalisierung, IoT, Industrie 4.0. Das sind die Buzzwords unserer Zeit. Jedes Unternehmen will digital werden - irgendwie. Mit Starterkits geht das sogar per plug and play - angeblich. Doch wie weit ist die vierte industrielle Revolution wirklich? Was funktioniert, was nicht? Welche neuen Geschäftsmodelle gibt es? Beim Reality Check 4.0 kamen bereits realisierte I4.0-Projekte auf den Prüfstand. lesen

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