KfW-Unternehmensbefragung 2017

Handel ist Vorreiter bei der Digitalisierung

| Redakteur: Jürgen Schreier

Neun von zehn Unternehmen nennen als eines ihrer Motive für die Digitalisierung, die Chancen der neuen Technologien nutzen zu wollen.
Neun von zehn Unternehmen nennen als eines ihrer Motive für die Digitalisierung, die Chancen der neuen Technologien nutzen zu wollen. (Bild: Pixabay / CC0)

Ein Großteil der deutschen Unternehmen plant Maßnahmen zur Digitalisierung in den kommenden zwei Jahren. Als größtes Hemmnis werden nach einer KfW-Befragung Schwierigkeiten bei der Anpassung der Unternehmens- und Arbeitsorganisation genannt.

In der deutschen Wirtschaft nimmt die Digitalisierung an Fahrt auf. Knapp 42 % geben in der Unternehmensbefragung 2017 der KfW an, Investitionen in die Digitalisierung fest eingeplant zu haben. Ein Viertel der Unternehmen ist noch unentschieden, ein Drittel hat keine Digitalisierungsmaßnahmen auf dem Schirm.

Zu den Vorreitern der Digitalisierung zählen die Unternehmen des Groß- und Außenhandels. Mehr als zwei Drittel von ihnen wollen in den kommenden 24 Monaten entsprechende Investitionen tätigen. Neun von zehn Unternehmen nennen als eines ihrer Motive für die Digitalisierung, die Chancen der neuen Technologien nutzen zu wollen. Für zwei Drittel der Unternehmen ist dies sogar der einzige Grund für ihre Aktivitäten. Neben der Nutzung von Chancen nennen die Unternehmen konkrete Forderungen von Kunden, Wettbewerbsdruck am Markt und Druck in der Wertschöpfungskette als Antriebsfaktoren für ihre Digitalisierungsmaßnahmen.

Kleinere Unternehmen zögern noch

Dr. Jörg Zeuner, Der Chefvolkswirt der KfW, zu den Ergebnissen der Unternehmensbefragung: „Die Digitalisierung gilt als wesentlicher Treiber für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmensbefragung 2017 zeigt, dass ein großer Teil der Unternehmen dieses Thema zunehmend aktiv angeht und das vor allem mit dem Ziel, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Das ist ein ermutigendes Signal, das zeigt: Es bewegt sich etwas.“

Deutliche Unterschiede zeigen sich in der Befragung zwischen größeren und kleinen Unternehmen: Während knapp 80 % der Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz Digitalisierungsmaßnahmen planen, tun dies nur rund 27 % der Unternehmen mit weniger als 1 Mio. Euro Jahresumsatz. Junge Unternehmen äußern sich deutlich zurückhaltender als ältere; nur 32 % der jungen Firmen wollen in absehbarer Zeit in die Digitalisierung investieren.

Ein möglicher Grund dafür könnte laut KfW sein, dass junge Unternehmen häufiger bereits mit modernen Technologien starten und daher in ihren Anfangsjahren seltener als ältere Unternehmen in dieser Hinsicht einen Nachholbedarf haben. Junge Unternehmen berichten auch seltener über die Nutzung von Chancen als Grund für ihre Digitalisierungsmaßnahmen, sie nennen hingegen stärker äußere Faktoren wie Forderungen von Endkunden oder Wettbewerbsdruck als Motiv.

Bestehende Organisation wird zum Bremsklotz

Bei der Durchführung von Digitalisierungsmaßnahmen sehen sich die Unternehmen mit verschiedenen Hemmnissen konfrontiert. Die mit 33 % am häufigsten genannten Schwierigkeiten betreffen die Anpassung der Unternehmens- bzw. Arbeitsorganisation auf eine stärker digitalisierte Arbeitsweise. Weitere Hemmnisse sind Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz (31 %) und mangelnde IT-Kompetenzen im Unternehmen bzw. Verfügbarkeit von IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt (28 %). Mit Werten zwischen 26 und 28 % folgen eine mangelnde Qualität der Internetverbindung (Geschwindigkeit und Stabilität), Schwierigkeiten bei der Umstellung der bisherigen IT-Systeme sowie die Unsicherheit über zukünftige Technologien und Standards.

Die Befragung erfolgte im Zeitraum zwischen Mitte Dezember 2016 und Mitte März 2017. Die Ergebnisse stehen unter www.kfw.de/unternehmensbefragung zum Download zur Verfügung.

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