IoT-Geschäftsmodelle

Der Einfluss des IoT auf Produktion und Logistik

| Autor / Redakteur: Jan Rodig / Redaktion IoT

IoT in Logistik und Produktion
IoT in Logistik und Produktion (Quelle: stocksnap.io/Erwan Hesry.)

Die Erwartungen an das IoT sind hoch, sein Einfluss entlang der Wertschöpfungskette kaum zu unterschätzen: von der Logistik über die Produktion – beide im Folgenden beleuchtet – bis hin zu Marketing und Services.

Eingangslogistik, Produktion, Ausgangslogistik, Marketing und Vertrieb, Support und Serviceleistungen bilden die klassische Wertschöpfungskette eines Industrieunternehmens. Alle diese Aktivitäten profitieren von einer optimierten Koordination, Überwachung und Auswertung gesammelter Daten. Welchen Einfluss hat das konkret auf Logistik und Produktion?

Logistik

Aufgrund der zunehmenden Vernetzung der Lieferkette und somit auch der bisher nicht als “smart” klassifizierten Güter und Transportvehikel, kann die Logistik leichter und kosteneffizienter als früher koordiniert, überwacht und optimiert werden. Fuhrparkmanager können so die Routen der Fahrzeuge mittels GPS-Tracking besser nachvollziehen und koordinieren. Neuartige Lagerbestandsverwaltung und Lieferdrohnen sind weitere Gebiete, die das Potential haben, die Basis für völlig neue Geschäftsmodelle zu legen.

Vieles spricht dafür, dass dadurch das Outsourcing an spezialisierte Logistikdienstleister weiter zunimmt, insbesondere in der Industrie. Beispielsweise vermindert die digitale Sendungsverfolgung mithilfe durchgängiger Erfassungsmöglichkeiten entlang der gesamten Lieferkette (bspw. durch Sensorik im Ladegefäß und Telematik) das wahrgenommene Qualitätsrisiko bei den Verladern und macht die Leistung der Dienstleister transparenter. Durch die größere Transparenz über die Leistungserstellung bei den Dienstleistern treten auch andere komparative Vorteile verstärkt in den Vordergrund, insbesondere bessere Bündelungsmöglichkeiten und damit eine höhere Transportauslastung sowie Kostenvorteile bei größeren Dienstleister-Netzwerken.

Bislang hat jedoch die hohe Schnittstellenkomplexität der Logistikkette und die enorme Vielfalt unternehmensspezifischer Be- und Entladevorgänge die Herausbildung erfolgreicher Marktplätze á la Uber für LKWs gebremst, wenngleich dieses Segment mittlerweile schon viele Startups angezogen hat.

Produktion

Eng verknüpft mit der Logistik erfährt auch die Produktion bereits seit einigen Jahren zunehmende Vernetzung mit dem Ziel einer verbesserten Produktionsplanung und -steuerung (Industrie 4.0). Einfachere IoT Use Cases in diesem Bereich fokussieren sich auf die Erfassung und Auswertung der Sensordaten einzelner Maschinen und Geräte, beispielsweise beim Condition Monitoring (regelmäßige Erfassung physikalischer Daten zum Zustand der Maschine oder Anlage) oder für Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung auf Basis laufend erfasster Daten).

Deutlich komplexer wird es, wenn komplette Produktionsanlagen vernetzt und datenbasiert optimiert oder sogar automatisiert werden sollen – bislang scheitert dies jedoch oft schon an den vielen unterschiedlichen Datenstandards der Maschinen- und Anlagenbauer sowie dem Mangel geeigneter intelligenter Algorithmen. Damit geht in vielen Fällen auch eine zunehmende Dezentralisierung der Produktionssteuerung einher, bei der die einzelnen Maschinen direkt miteinander kommunizieren. So kann die Produktion kundenindividueller Güter (Losgröße 1) auch bei komplexeren Produkten effizient realisiert werden („Mass Customization“).

Während dies in einigen Branchen über kurz oder lang zur vollständigen Automatisierung der Produktion führen wird, trifft dies längst nicht auf alle Branchen zu. Insbesondere in kleineren Produktionsbetrieben mit hoher Produktvielfalt und -komplexität könnten sich IoT-unterstützte, kleine autonome Fertigungszellen durchsetzen, die auf Basis von Fertigungsdaten eigenverantwortlich und flexibel ihre Produktion und Logistik organisieren. Dort wird die Rolle des Mitarbeiters sogar stark aufgewertet, da er selbst zum steuernden Element in einem hybriden System aus Mensch und Maschine wird, unterstützt von cyberphysischen Assistenzsystemen. Wie dies beispielsweise für die Möbelindustrie aussehen kann, untersucht gegenwärtig das von der Hochschule Rosenheim initiierte und von tresmo unterstützte Forschungsvorhaben proto_lab.

Großes Transformationspotential

Perspektivisch, das lässt sich heute schon sagen, wird der Anteil der Produktion an der Gesamtwertschöpfung in den meisten Industriebranchen wohl sinken – zugunsten Software-basierter Dienstleistungen rund um das Kernprodukt. Zudem wird die Produktion durch den zunehmenden Einsatz additiver Fertigungsverfahren dramatische Umwälzungen erleben – die Herstellung vieler Güter verlagert sich an den Ort ihrer Nutzung, die bisherigen Hersteller verkaufen verstärkt Daten und digitale Zusatzdienste.

Das IoT bringt somit mittelfristig ein enormes Transformationspotenzial für die Bereiche Produktion und Logistik mit sich. Welche Veränderungen auf die Bereiche Marketing und Vertrieb sowie Service zukommen, beleuchtet der nächste Artikel zum Thema.

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