Private, Public, Hybrid, Multi oder Managed?

Cloud Computing - der Technologie-Mix macht's

| Redakteur: Jürgen Schreier

Das Tempo der IT-Modernisierung zieht deutlich an. Jedes zweite Unternehmen investiert in den kommenden drei Jahren in den Aufbau eines neuen IT-Fundaments – die Hälfte des IT-Budgets wandert bereits heute in Cloud-Architekturen.
Das Tempo der IT-Modernisierung zieht deutlich an. Jedes zweite Unternehmen investiert in den kommenden drei Jahren in den Aufbau eines neuen IT-Fundaments – die Hälfte des IT-Budgets wandert bereits heute in Cloud-Architekturen. (Bild: Pixabay / CC0)

Eine Umfrage von Crisp Research und Digitales-Wirtschaftswunder.de offenbart: Bei der Cloud-Nutzung im Mittelstand geht der Trend zu einem Technologie-Mix, der die unterschiedlichen Anforderungen ihrer Digitalisierungsbestrebungen abdeckt. Nur Public oder nur Private Cloud ist ein No-Go.

Unternehmen setzen weder auf eine reine Public-, noch eine reine Private-Cloud-Strategie, sondern auf einen Technologie-Mix. Zu dieser Erkenntnis kommt Crisp Research in der neuen Studie „Hybrid- & Multi-Cloud-Services im deutschen Mittelstand“, die die Marktforscher in Kooperation mit dem Themenblog Digitales-Wirtschaftswunder.de der QSC AG und dem Fachverband EuroCloud erstellt haben. Auf rund 70 Seiten gibt die Studie einen detaillierten Einblick in den Status quo des IT-Wandels in mittelständischen Unternehmen.

Einsatz von Cloud Computing wird künftig tragende Rolle spielen

Rund 80 Prozent der 314 befragten IT-Leiter und CIOs rechnen damit, dass der Einsatz von Cloud Computing künftig eine tragende Rolle beim Betrieb ihrer IT-Infrastrukturen und Nutzung der Anwendungen spielen wird.

Unter den mittelständischen und großen Unternehmen in Deutschland haben 17 Prozent Cloud Computing bereits als festen Bestandteil ihrer IT-Strategie und im IT-Betrieb integriert. Das heißt vor allem, dass ein wesentlicher Teil der Anwendungen und Plattformen auf einer Cloud-Architektur aufsetzt. Dies können beispielsweise SaaS-Applikationen, aber auch Infrastruktur-Plattformen sein, auf denen Standard- und individuelle Anwendungen betrieben werden.

Warum Mittelständler ihr ERP in die Cloud verlagern

Sieben Gründe für ERP aus der Cloud

Warum Mittelständler ihr ERP in die Cloud verlagern

27.06.17 - Mittlere und kleinere Unternehmen holen bei der Cloud-Nutzung weiter auf. Das ist eines der Ergebnisse aus dem Cloud Monitor 2017 des Branchenverbands Bitkom. Neben „Klassikern“ wie Office-Anwendungen kommt auch immer häufiger Enterprise Ressource Planning (ERP) aus der Cloud zum Einsatz. lesen

28 Prozent der Unternehmen bewegen sich derzeit stark darauf zu und weiten erste Einsatzszenarien aus, um ebenfalls einen wesentlichen Teil ihrer Anwendungen Cloud-basiert zu beziehen. Gut ein weiteres Drittel der Unternehmen steckt derzeit in der Planungsphase und evaluiert die geeigneten Technologien und Umsetzungsszenarien.

Nach nunmehr 8 Jahren Cloud Computing stehen diesen Unternehmen aber auch eine Reihe von Alternativen und Möglichkeiten zur Verfügung. Abgesehen von einem weitgehend klaren Kräfteverhältnis bei den Public Cloud Infrastructure-as-a-Service Anbietern haben die Unternehmen eine breite Auswahl hinsichtlich des Deployment Modells und der Ausgestaltung (Private, Public, Hybrid oder Multi Cloud) sowie auch bei den verschiedenen Anbietern und Dienstleistern, die auf der Infrastruktur-Plattform Apps, Lösungen und Transformationsservices anbieten.

Die verbleibenden 19 Prozent und damit etwa ebenso viele Unternehmen wie die, die sich schwach oder gar nicht von der Digitalisierung betroffen sehen, haben auch in Sachen Cloud Computing (noch) eine skeptische Haltung und lehnen den Einsatz grundsätzlich ab. Auch hier pendelt sich in der Zeitreihe langsam eine feste Gruppe ein, die offenbar Position bezieht und strategisch nicht auf Cloud Computing setzen möchte.

Die "reine" Private Cloud ist auf dem Rückzug

Möchte ein Unternehmen diese Potenziale heben, wird allerdings auch schnell klar, dass eine Cloud-Plattform alleine kaum hinreichend ist. Denn die vielen verschiedenen Anwendungsszenarien, die in einem digitalen oder zumindest digitalisierten Unternehmen existieren, stellen immer ganz unterschiedliche Voraussetzungen an die zugrundeliegenden Plattformen. Manche Anbieter versuchen das Portfolio breit genug für eine Single-Cloud-Lösung aufzustellen. Andere Unternehmen schlagen selbst den Weg ein und rüsten ihre IT um, damit sie als Standard-Plattform existieren kann. Im Endeffekt werden aber immer Sonderwünsche und individuelle Eigenheiten der Unternehmen und deren Alltag aufkommen, die einen solchen Plan zunichte machen.

Bei der Frage nach dem bevorzugten Cloud-Deployment-Modell bestätigt sich, dass die Nutzung der reinen Private Cloud stark zurückgehen wird (von 40 Prozent auf 19 Prozent). Die heutigen Private-Cloud-Szenarien werden dann vor allem in Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle aufgehen, wo die ersten „Gehversuche“ mit der Cloud weiter leben können und in einer integrierten Umgebung weiterentwickelt werden. Auch der ohnehin geringe Einsatz der reinen Public Cloud sinkt in Zukunft nochmals um die Hälfte - von sieben auf drei Prozent. Die Hybrid-Form, die bislang mit knapp 44 Prozent unter den Befragten schon gut besetzt war, legt ebenfalls nach und steigt auf 47 Prozent.

Über drei Viertel der Befragten gab im Rahmen der Befragung an, dass mittel- bis langfristig ausschließlich ein Mix aus unterschiedlichen Cloud-Technologien die vielfältigen Anforderungen der digitalen Geschäftsmodelle abbilden kann.

Laut Studie zieht das Tempo der IT-Modernisierung derzeit deutlich an. Jedes zweite Unternehmen investiert in den kommenden drei Jahren in den Aufbau eines neuen IT-Fundaments – die Hälfte des IT-Budgets wandert bereits heute in Cloud-Architekturen.

Internet of Things – mehr Mut mit der Cloud

Kommentar von Karin Sondermann, Avanade Deutschland

Internet of Things – mehr Mut mit der Cloud

27.03.17 - Viele Unternehmen haben über die Jahre enorme Datenberge angehäuft, die heute als wesentliche Basis für die Digitalisierung dienen könnten – ja, könnten: Denn nach wie vor scheint es vielfach so, als fehlte es an der notwendigen Entschlossenheit, auf die dafür erforderliche Cloud-Technologie zu setzen. Darum ein Plädoyer für mehr Mut mit der Cloud. lesen

IT muss den Weg für vernetzte Produkte bereiten

„Der Mittelstand hat flächendeckend erkannt, dass die Qualität der eigenen IT-Landschaft als Fundament des digitalen Wandels eine entscheidende Rolle für dessen Erfolg ist“,weiß Steve Janata, COO von Crisp Research und Leiter der Studie. „Gleichzeitig sind die Zeiten vorüber, in denen die IT einfach nur möglichst unsichtbar und geräuschlos in den Unternehmen existieren sollte. Die allermeisten Firmen schalten derzeit von ‚Abwarten’ auf ‚Umsetzen’, brechen alte IT-Strukturen auf und ersetzen sie durch neue.“

Ob Handel, produzierende Industrie, Gesundheitswesen oder Banken und Versicherungen: Branchenübergreifend steht der Studie zufolge der digitale Wandel und damit die Technologie-Erneuerung bei nur sehr wenigen Entscheidern nicht auf der Agenda. Mittlerweile haben zahlreiche Unternehmen ein konkretes Ziel für ihre digitalen Geschäftsmodelle vor Augen, und zwar verbunden mit Budgets und Meilensteinen.

„Unternehmen gehen in immer engeren Taktraten mit neuen, vernetzten Produkten und Dienstleistungen auf den Markt. Ihre IT muss diesen Weg nicht nur mitgehen, sondern bereiten“, ist Marc Sundermann, Head of Business Development Multi Cloud bei der QSC AG, überzeugt. Die notwendigen Agilitäts- und Flexibilitätskonzepte bilden Firmen anhand eines Technologie-Mixes ab. „Die hieraus erwachsende Komplexität lässt sich für mittelständische Unternehmen nicht in Eigenregie stemmen.“

Mittelstand setzt auf Managed Service Provider

Als agile und vernetzte Plattform, die der digitalen Wertschöpfungskette zugrunde liegt, kristallisieren sich immer häufiger Hybrid- und Multi-Cloud-Betriebsmodelle heraus. Immer mehr digitale, mobile Services, vernetzte Produkte (IoT) und der digitale Kundenkontakt sorgen dafür, dass die Anforderungen an die zugrundeliegenden Infrastrukturen mannigfaltig sind. In der Praxis wird die Infrastruktur-Plattform gewählt, die als beste Grundlage für den jeweiligen Anwendungsfall passt. Zunehmend wird die Vernetzung und Abstimmung dieser Infrastrukturen wichtig.

Nur die wenigsten Entscheider planen, die Orchestrierung der verschiedenen IT-Welten mit eigenen Bordmitteln zu organisieren. Drei Viertel geht davon aus, einen Großteil der anstehenden Aufgaben sowohl bei der Planung als auch bei der Transformation und dem anschließenden Betrieb an einen Managed Service Provider zu übertragen. Der Grund: Dies entlastet die eigene IT, die oft nicht über die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügt und führt darüber hinaus auch zu einem vermutlich besseren Projektfortschritt. Denn so sind die Dienstleister in der Lage, ihre gesamte Leistungspalette zu zeigen und ein durchgängiges, langfristiges Konzept zu etablieren.

Managed Services und die Cloud

Alternativen zum klassischen Outsourcing

Managed Services und die Cloud

09.03.17 - Managed Services über die Cloud sind eine sinnvolle Alternative, IT-Abteilungen in Unternehmen maßgeblich zu entlasten und alte, heute vielfach ineffiziente Outsourcing-Projekte anhand von moderner und zukunftsorientierter Technologie abzulösen. lesen

Passend dazu werden auch nur die wenigsten Unternehmen bei der Orchestrierung und dem Multi-Cloud-Management auf eigene Lösungen setzen. Mit 16 Prozent sind es etwa ebenso viele wie diejenigen, die im Self Service auf die Reise gehen werden. Die Restlichen nutzen Standard-Software von Drittanbietern (53 Prozent) oder - falls vorhanden - auch direkt die Software des Managed Service Providers (8 Prozent). Hier ist die Schnittmenge allerdings oft hoch, da auch die Managed Service Provider über ihre Partnerschaften meist Drittanbietertools nutzen.

Adaptionsgeschwindigkeit von Cloud-Technologien hat rapide zugelegt

Andreas Weiss, Direktor des Fachverbands EuroCloud Deutschland: „Die Studie zeigt eindeutig, dass die Adaptionsgeschwindigkeit von Cloud-Technologien insbesondere im Mittelstand in den letzten 18 bis 24 Monaten rasant zugelegt hat. Funktionierende Standards, ausgereifte Produkte und Zertifizierungen wirken sich auf alle Marktteilnehmer positiv aus und begünstigen die Investitionsentscheidung der Unternehmen.“

Die gesamte Crisp-Studie „Hybrid- & Multi- Cloud-Services im deutschen Mittelstand“ steht exklusiv, kostenfrei und ohne jegliche Registrierung auf dem Themenblog Digitales-Wirtschaftswunder.de als Download bereit.

Glossar

  • Public Cloud: Eine Public Cloud besteht aus einer sogenannten Shared Infrastructure. Kunden teilen sich dieselbe physikalische Infrastruktur und werden anhand einer virtualisierten Sicherheitsinfrastruktur logisch voneinander getrennt. In diesem Cloud-Modell steht der Self-Service durch den Kunden im Mittelpunkt.
  • Private Cloud: Bei einer Private Cloud betreibt ein Unternehmen seine eigene Cloud-Infrastruktur und ist für den Aufbau und dessen Wartung zuständig. Eine Private Cloud wird den Designkonzepten einer Public Cloud hinsichtlichSkalierbarkeit, Flexibilität und Self-Service nachempfunden.
  • Hybrid Cloud: Eine Hybrid Cloud integriert eine Private Cloud mit den Ressourcen einer Public Cloud. In diesem Fall betreibt ein Unternehmen seine eigene Cloud-Infrastruktur und nutzt die Skalierbarkeit und Skaleneffekte eines Public-Cloud-Anbieters, um sich bei Bedarf oder auch ständig an weiteren Ressourcen in Form von Rechenleistung, Speicherplatz oder anderen Services zu bedienen.
  • Multi Cloud: Eine Multi-Cloud-Umgebung besteht aus einer unbestimmten Anzahl von unterschiedlichen Cloud-Anbietern verschiedenster Ausprägungen (IaaS, PaaS, SaaS) und Deployment-Modellen (Public, Private, Managed). Die jeweiligen Cloud-Umgebungen müssen zwangsläufig nicht vollständig miteinander integriert sein, wenn sich daraus kein Mehrwert ergibt, sondern können auch autark voneinander betrieben werden.
  • Managed Public Cloud: Eine Managed Cloud ist eine Cloud-Umgebung, die für den Kunden vollständig oder in Teilen verwaltet wird. Zum Beispiel übernimmt ein Cloud-Systemintegrator in Form eines Managed Public Cloud Provider (MPCP) den Aufbau, Betrieb und die Wartung der Kundeninfrastruktur bei einem Public-Cloud-Anbieter.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44831282 / IoT-Technologie)